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Die Kölner Notärztin Rike (Susanne Wolff) sticht von Gibraltar aus mit ihrem Segelboot in See um die Atlantikinsel Ascension Island zu besuchen. Nach einem schweren Sturm, den Rike unbeschadet übersteht, entdeckt sie in unmittelbarer Nähe ein havariertes Fischerboot, schwer überladen mit Flüchtlingen aus Afrika. Als die herbeigerufene Seenotrettung auf sich warten lässt, bewahrt die Ärztin einen 14-jährigen Jungen (Gedion Wekesa Oduor), der aus Verzweiflung ins Wasser gesprungen ist, vor dem Ertrinken…
Für Menschen aus Europa mit maritimer Neigung ist das Mittelmeer ein großer Abenteuerspielplatz, für die Menschen aus Afrika ist es ein Zeichen der Hoffnung auf ein besseres Leben, wird aber oft zu ihrem Grab. Ins Wolfgang Fischers (geb. 1970 in Wien „Was Du nicht siehst“) Drama treffen beide Welten aufeinander, wobei am Beispiel der Ärztin aus Deutschland die ganze Hilflosigkeit der Gutmütigen aufgezeigt wird. Die Küstenwache fährt trotz Zusicherung nicht zum Leck geschlagenen Flüchtlingsboot, vorbei fahrende Tanker haben „klare Anweisungen“ für derartige Fälle und Rike selbst weiß, dass sie so vielen Menschen nicht helfen kann. Auch der gerettete Junge kann nicht dankbar sein, sondern muss die Hilfe für seine Leidensgenossen erflehen, die es aber nicht gibt. Seine Verzweiflung ist sinnbildlich für Viele, denen zunehmend die Hilfe aus Europa verwehrt wird, sein Gesicht wird bald in Erinnerung gerufen, wenn in den Nachrichten Menschen zu Zahlen degradiert werden. Unterstützt durch das realistische Spiel beider Hauptdarsteller, kommt Wolfgang Fischers Botschaft zielgenau beim Zuschauer an, wobei der Regisseur die Kritik erlauben mag, dass er, um Realitätsnähe bemüht, sein Handlungsgerüst recht betulich aufbaut. Trotzdem ein wichtiger Film zur richtigen Zeit. (8/10)

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