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Ken Loach ist ja bekannt dafür, kleine Einzelschicksale britischer Menschen schonungs- und zumeist hoffnungslos darzustellen. So auch geschehen in "Ladybird, Ladybird", in dem einer Frau immer und immer wieder ihre Neugeborenen vom Jugendamt weggenommen werden, da sie den sozialen Ansprüchen nicht gerecht wird.

In "Sweet Sixteen" geht es hauptsächlich um den 15-jährigen Liam, dessen Mutter im Gefängnis sitzt und einen Tag vor seinem Geburtstag entlassen wird. Auf diesen Tag wartend und hinarbeitend, versucht Liam höchstpersönlich, seine Mutter zu resozialisieren und wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Dabei ist ihm so gut wie jedes Mittel recht. Hauptsache seiner Mutter geht es gut.

Das ist schon teilweise recht desillusionierend, was Ken Loach hier einem wieder reindrückt. Stan, der Lebensgefährte von Liams Mutter, benützt Liam schon mal als Kurier für seine Drogengeschäfte und auch sonst behandelt er ihn nicht wirklich so, wie es ein Vater eigentlich tun sollte. Liam setzt sich immer mehr von Stan ab, bis er mit seinem Kumpel Pinball selbst ins Drogengeschäft einsteigt. Alles nur, um an eine Menge Geld zu bekommen, mit dem er dann seine Mutter von Stan loseisen und ihr eine Unterkunft finanzieren kann. Doch Liam, so gutgläubig und naiv er ist, lässt sich auf so gut wie Alles und Jeden ein. So gerät er immer mehr in den Strudel des Verbrechens, ohne es aber wirklich zu bemerken. Zu sehr denkt er nur an seine Mutter, an den Tag vor seinem 16. Geburtstag, an dem sie endlich wieder auf freiem Fuß ist. Liam realisiert nicht, in was er hineingeschlittert ist, im Gegenteil, ihm kommt es entgegen, er engagiert sich und gibt sich mit den völlig falschen Leuten ab. Pinball, der zwar nicht minder ausgeflippt ist, aber einen vernünftigeren und besonneren Eindruck macht, zumindest was die Geschäfte mit Tony angeht, ist zwar Liams bester Freund, doch auch das ändert sich im Verlauf von "Sweet Sixteen".

Tony ist ein "wahrer" Geschäftsmann. Inhaber eines Fitnessstudios und verwickelt in zahlreiche düstere Machenschaften. Doch durch Aufrichtig-, Ehrlich- und Freundlichkeit erschleicht er sich die Sympathien Liams, auch, indem er diesem aus seinen Problemen hilft. Um ihn andererseits in noch viel viel größere Sorgen zu stürzen. Liam jedoch ist wie in Trance, lebt für diesen einen Tag, für den er scheinbar Alles machen würde. So groß ist die Liebe zu seiner Mutter. Alles, was er unternimmt, soll nur ihr zugute kommen, nicht ihm selbst oder sonstwem, allein seiner Mutter gilt sein Tun, sie soll es so gut wie möglich haben und mit einer Überraschung beglückt werden, wenn sie denn endlich aus dem Knast kommt.

Doch ohne es zu merken, besteigt Liam geradezu den Fahrstuhl in den Abgrund. Was mit seinem Freund Pinball wirklich geschieht, weiß man nicht. Als seine Mutter schließlich wieder auf freiem Fuß ist, scheinen sich seine ganzen Anstrengungen voll und ganz gelohnt zu haben.

"Sweet Sixteen" ist ein kleines, aber umso schonungsloseres Gesellschaftsdrama, das Themen wie Jugendkriminalität und soziale Missstände behandelt und aufzeigt, wie eng Beides miteinander in Verbindung steht. Ken Loach lässt wenig Platz für Hoffnung, sein Film ist ein Teufelskreis, aus dem es anscheinend kein Entrinnen gibt. Im Gegenteil, es wird sogar immer und immer hoffnungsloser. Desillusionierend, hammerhart und doch nur allzu realistisch. Leider.

8/10 Punkte

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