Review

Raue Schale, brutaler Kern.

Stephen Frears hat sich vom Hollywood-Hochadel abgewandt, endgültig wohl nach seinem von der, vor allem amerikanischen, Kritik, zerfetzten Spät-Western "Hi-Lo Country", dies hatte zur Folge dass Frears sich wieder ein wenig gen England wendete und damit nicht nur die komödiantische Glanztat "High Fidelity" der Welt schenkte sondern sich auch seinen Realismus-Wurzeln wieder erinnerte und das historische Arbeiter-Drama "Liam" inszenierte.

Der zwischenzeitliche, starbesetzte, TV-Ausflug möge hier als ambitioniertes Projekt (es war eine LIVE-Aufzeichnung) eine Ausnahmestellung einnehmen.

Langer Vorrede kurzer Sinn. Stephen Frears widmet sich wieder dem ambitionierten, von Independent-Einflüssen, getragenen Projekten.
So ist denn auch "Dirty Pretty Things" ein ziemliches raues Drama über die Probleme illegaler Einwanderer in England.

Die Hauptfigur ist dabei der nigerianische Arzt Okwe, gespielt von einem grandiosen Chiwetel Ejofor ("Tatsächlich, Liebe"), welcher sich in London als Taxifahrer und Hotelportier durchschlägt, in besagtem Hotel führt der Chef Juan (Sergi López - "Harry meint es gut mit dir") ein hartes Regiment und nutzt seine Geschäftskontakte um mit organisiertem Organhandel Geld zu machen.
Die dritte Person, um welche sich das mediale Interesse drehte obgleich ihre Rolle eigentlich nur unwesentlich größer ist als jene von López, ist die der Türkin Senay (Audrey Tautou).

Da Ejofor die meiste Zeit des Films im Bild ist, ist es auch seine Aufgabe den Film zu tragen und Audrey Tautou kann in ihren Szenen eine tragische und vom Leben innerlich zerissene Person erschaffen, welche das volle Mitgefühl des Zusehers hat. Im Gegensatz zu Ejofor jedoch hat sie nicht die Möglichkeit ihr gesamtes Talent auszuspielen, diese Ehre wird, wie gesagt, Ejofor zu Teil und die erhaltene Chance nutzt er auch.
Sergi López begnügt sich derweil mit einer recht einseitigen Dämonisierung seines Charakters, man hat ihn wahrlich schon besser gesehen.

Neben den, teils, hervorragenden Darstellern ist es die harte und realitätsnahe Regie die einem dokumentarischem Stil zu verpflichtet sein scheint. Frears versucht das Geschehen so gut es nur geht einzufangen und keinerlei, rettende, Distanz für den Zuschauer zu erschaffen, dies gelingt ihm in den stärksten Momenten auch, allerdings meint er es teilweise zu gut und führt demnach auch die Thriller-Handlung über den Organhandel im Hotel ein wenig ad absurdum, obwohl das Drehbuch eine Instrumentalisierung des kritischen Themas nicht zulässt...

Womit wir schon beim wichtisgen aller positiven Aspekte wären. Dem äußerst gelungenen Drehbuch, welches, bei aller potentiellen Depressivität, nicht auf den Humor vergisst und vor allem die Dialoge mit sehr viel menschlicher Wärme versieht, tief drin in scheinbar tief düsteren Szenen, welche durch die überambitionierte Regie beinahe in einen Sumpf der Gefühle geworfen werden.

Fazit: Ein vollkommen zu Recht für den Oscar nominiertes Drehbuch und sehr gute Darsteller sind es allemal wert einen Film zu sehen, welcher ein, genau genommen zwei, ohnehin, todgeschwiegene Themen behandelt. Asylverfahren in Europa und Organhandel. Geheimtipp.

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