Kurz bevor die deutschen Truppen Paris besetzen, flieht Georg (Franz Rogowski) nach Marseille. Da er die Papiere des Schriftstellers Weidel mit sich führt, der sich das Leben genommen hat, wird er mit diesem verwechselt und erhält ein Visum für eine Überfahrt nach Mexiko. Während er die notwendigen Transitvisa für die Schiffspassage besorgt, begegnet er anderen Flüchtlingen und auch Weidels Ehefrau Maria (Paula Beer), die noch auf ihren Mann wartet…Drehbuchautor und Regisseur Christian Petzold (geb. 1960 in Hilden „Die innere Sicherheit“ 2000, „Barbara“ 2012) überträgt die Handlung von Anna Seghers zwischen 1941 und 1942 entstandenen und 1944 erschienenen, gleichnamigen Roman auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik. Dazu benutzt er einen filmischen Kniff, indem er die Geschichte aus dem 2. Weltkrieg in aktuellen Kulissen der beiden französischen Städte spielen lässt. Und schon wird das Leid von Menschen auf der Flucht besser verständlich, wenn sie wie Nachbarn und nicht, wie gänzlich Fremde aussehen. Eigentlich schade, aber doch dringend notwendig, betrachtet man den politischen und gesellschaftlichen Diskurs seit 2015. Veredelt wird Petzolds ergreifendes, handwerklich einwandfreies Drama durch eine Riege überzeugend spielender Top Darsteller (Barbara Auer, Justus von Dohnányi, Godehard Giese, Matthias Brandt), allen voran aber Franz Rogowski, von dem noch Großes zu erwarten ist, als unsicherer, nuschelnder Mensch in der Fremde. Zum Abspann finden die Talking Heads die passenden Worte für die ganze Verzweiflung der Flüchtenden: „were on the road to nowhere“. Sehenswert! (9/10)