Review

Richard Stanleys "Dust Devil" ist wieder einmal eine gehörige Portion Genremix, dessen Faszination zunächst wohlweißlich daraus resultiert, dass dem Zuschauer bis dato noch nie eine solche Mixtur vorgelegt wurde: Grundlage bildet das Westerngenre mit all seinen optischen Mythen und Symbolen, während das Tempo und die Erzählweise wie ein staubtrockenes Roadmovie wirkt. Ach, und das I-Tüpfelchen ist dann, dass wir uns in einem Serienkillerszenario, das sich in Okkulthorror wandelt, befinden. Ist irgendein Filmfreund noch nicht freudiger Erwartung?

Stanley, der zuvor seinen Debütfilm "Hardware" drehte, mit dem er sich einen gewissen Namen machen konnte, versuchte sich mit "Dust Devil" an seinem Traumprojekt, und vieles ist ihm geglückt, einiges leider auch nicht. Erhaben über jegliche Zweifel in jedem Falle ist die traumhafte Optik, ein Bilderrausch zwischen trockenem Wüstenstaub und feuchtem Blut. Der hitzige Style des Films ist schlicht perfekt und wie aus einem Guss. Egal, ob es sich hier um die Special Effect-Shots handelt, oder um poetische Landschaftsaufnahmen - "Dust Devil" beeindruckt über seine gesamte Lauflänge durch seine Bilder und durch die ebenso wundervolle Kameraführung von Steven Chivers.

Als eigentümlich und -willig ist allerdings die Story zu beschreiben: Ein dämonischer Serienkiller, der die Macht hat die Wüstenwinde zu kontrollieren, sucht in Namibia nach Menschen, deren Leben scheinbar auf der Kippe steht, um ihnen ihr Lebenslicht auszulöschen. Er macht dadurch eine ständige Transformation durch, und erst, wenn der "Dust Devil" genug Seelen in den Tod geschickt hat, kann er seinen eigenen Frieden finden. Er trifft auf die verzweifelte Wendy Robinson, die sich gerade von ihrem Mann Mark getrennt hat, und nun im staubigen Niemandsland von Südafrika nach Lebenssinn sucht. Als sie ihn als Anhalter mitnimmt, ahnt sie nicht, dass der teufelsgleiche Mann sie in die Hölle schicken will. Nur der auf sich allein gestellte, einheimische Polizist Ben Mukurob, der den Dust Devil aus einem anderen Mordfall heraus verfolgt, weiß von der mystischen Sage, und weiß auch, wie man das Wesen stoppen kann...

Die düstere, bösartige Stimmung die der Film durch diese Fantasystory aufbaut, ist allgegenwärtig. Überall lauert das Abgründige und Abnormale. Nirgendwo scheint es Rettung zu geben. Die Figur des Dust Devils ist leider nicht so aufbereitet und charakterisiert, wie man es sich wünschen würde, dennoch steckt unheimlich viel in der zum Töten verdammten Seele. Robert John Burke, der zuvor in den Hartley-Filmen "Verdacht auf Liebe" und "Simple Men" spielte, macht seinen Job als bedrohlicher Wüstensatan sehr gut, ebenso wie Zakes Mokae, bekannt aus "Die Schlange im Regenbogen", der eine überraschend akkurate Figur abgibt. Lediglich Chelsea Fields neigt zum Overacting und mag nicht immer den schauspielerischen Qualitäten ihrer beiden Co-Stars gleichkommen. In Nebenrollen glänzen Marianne Sägebrecht und William Hootkins.

Der blanke Horror wird hier verstärkt durch den Einsatz einzelner Stilmittel anderer Genres, und so wird aus einem kleinen, dreckigen Spukfilmchen ein visionäres Vorzeigewerk für das Gruselgenre. So haben wir es hier eindeutig mit einer Verbeugung vor dem Italowestern von Sergio Leone zu tun. Farbgebung und Bildgestaltung lassen eindeutig Vergleiche zu "Zwei glorreiche Halunken" zu. Weiterhin möchte sich der Film wohl ganz gerne in die Reihe berühmter, so genannter "Midnight Movies" stellen - feine, höchst anspruchsvolle Kuriositäten abseits des Mainstreams für das etwas andere Publikum -, wenn Filme wie "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" und "Die sieben goldenen Vampire" genannt werden.

Ist die Mixtur geglückt? Ja, denn Schauspielerei, Kamera und der bedrohlich-wimmernde Soundtrack von Simon Boswell, der eh über jeden Zweifel erhaben ist, sorgen für einen starken, teilweise brutalen Horrorfilm mit viel Raum für Interpretation und Inspiration. Formal perfekt, inhaltlich manchmal etwas ungenau, ist "Dust Devil" aber immerhin bestimmt einer der besten Horrorfilme aus den '90er Jahren.

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