iHaveCNit: In den Gängen (2018)
Wer mich kennt, weiß, dass ich mir auch gerne den ein oder anderen deutschen Film im Kino ansehe. Und da kommt mir der Film „In den Gängen“ von Thomas Stuber mit Sandra Hüller und Franz Rogowski in den Hauptrollen ganz recht, der nun als volles Kontrastprogramm neben dem Sci-Fi-Abenteuer „Solo“ am gleichen Tag gestartet ist. „In den Gängen“ hat nicht nur seinem Hauptdarsteller Franz Rogowski den deutschen Filmpreis, sondern mir einen wundervollen Kinonachmittag beschert.
Christian tritt eine neue Stelle im Großmarkt an. Der schweigsame und leicht tolpatschige Christian wird Bruno in der Getränkeabteilung unterstellt. An die Abteilung grenzt die Süßwarenabteilung in der Marion arbeitet. Christian hat ein Auge auf Marion geworfen, was bei den Kollegen nicht unbemerkt bleibt. Doch Marion ist verheiratet und scheinbar unglücklich.
„In den Gängen“ ist ein feiner Film geworden. Fast poetisch und mit einer unfassbar tollen Symmetrie werden hier Bilder von unter anderem Gabelstapler zeigen, die passend zu klassischer Musik durch die Gänge des Großmarkts herumfahren. Auch poetisch wird hier die klassische Arbeiterklasse der DDR aus der Zeit nach der Wende im kleinen Mikrokosmos eines Großmarkts dargestellt. Aber den Kern der Geschichte stellen zwei Geschichten dar – eine Geschichte von Freundschaft und einem Verhältnis wie von einem Vater zum Sohn. Wundervoll, wie hier Peter Kurth hier als Bruno eine Art Mentorenrolle für Franz Rogowskis Christian einnimmt und selbst natürlich einiges an eigenem Charakter mitbringt. Der noch wichtiger Teil hier ist aber die sehr zarte und zurückhaltende Annäherung von Christian und der von Sandra Hüller gespielten Marion, die sich vollkommen auf kleine Gesten und wenig Dialog beschränkt, hier aber eine unglaublich schöne, warmherzige, witzige aber auch dramatische Tiefe unter der Oberfläche bietet. Für mich hat Rogowski hier zurecht den deutschen Filmpreis gewonnen – und er ist ein Gesicht, der aktuell ähnlich wie Frederick Lau derzeit viele tolle Filme in der Filmografie aufweisen kann. Den Sog, den der Film entwickelt, kann er aber leider nicht über die komplette Laufzeit aufrecht erhalten, weil etwas zu spät die Aufmerksamkeit einem bestimmten Charakter gewidmet wird. Aber alles in Allem ein feiner Film und für mich der beste deutsche Film in diesem Jahr bis jetzt aus Deutschland.
„In den Gängen“ - My First Look – 9/10 Punkte.