Review

Komplettbesprechung

---- Spoiler bezüglich Episode 1! ----

Du denkst Jack Bauer wäre der härteste Cop der Seriengeschichte? Dann hast du ganz sicher Vic 'Al Capone with a badge' Mackey noch nicht erlebt!

Herzlich willkommen im Territorium der Sons of Anarchy. Farmington, L.A.

Ausgangslage, Folge 1:

Gangs und Gewalt beherrschen die Straßen von L.A. Es heißt fressen oder gefressen werden. Auch die bekannten Trupps der Sons, die Byz Lats und die One Niners, mischen tatkräftig mit. Captain David Aceveda (stark gespielt von Benito Martinez), Chief der Polizeiwache hat davon die Schnauze gestrichen voll. Er schreibt sich auf die Fahne diesen Disctrict ein für alle mal zu säubern. Immerhin wäre dies auch ein erster Schritt auf der politischen Karriereleiter.

Besonders im Weg steht ihm dabei allerdings das sogenannte 4-Mann 'Strike Team' seiner Wache. Einerseits die einzige Truppe die sich den knallharten Gangstern entgegenstellt und für eine hohe Aufklärungsrate sorgt, andererseits aber selbst bis über beide Ohren korrupt ist, sich weder an Anweisungen noch Gesetze hält und sich munter und feixend durch die Bösewichter droht, nötigt, prügelt und foltert. Aceveda hat eine großartige Idee, er schleust einen Undercovercop ins Team, der ihm beweiskräftiges Material für die Korruptionen und Gewalttaten liefern soll. Der mit allen Wassern gewaschene Vic Mackey durchschaut das Spiel jedoch sehr schnell und in Episode 1 wird der Eingeschleuste enttarnt und bei seinem ersten Einsatz mit dem Strike Team ganz zufällig erschossen ...

Dies der Beginn einer Copserie, die sich in ein heftiges, wendungsreiches und vielschichtiges Cop-Drama verwandelt, das ich so vorher noch nicht gesehen hatte, und abgesehen von Breaking Bad, bis heute auch nie wieder gesehen habe.

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Die Serie fängt gewöhnungsbedürftig an. 'Authentische' Wackelkamera, man denkt man befände sich in der Doku 'Amerikas härteste Cops', viele Handlungsstränge, unzählige Charaktere, leichte Unübersichtlichkeit, sehr hektisch und völlig gegen jede bisherige Sehgewohnheit gebürstet. Dazu dieses obercoole, machohafte, übertrieben gewalttätige Handeln. Genau dies waren bei mir die Gründe bei Erstsichtung vorzeitig abzubrechen. Ein Glück habe ich es später nochmals versucht, und das kann ich nur allen raten, die ebenso schnell ausgeschaltet haben. Denn inzwischen habe ich alle 7 Staffeln 3x gesehen, bin jedes Mal begeistert und mit den Nerven am Ende. Es gibt locker eine handvoll Szenen die ich nie wieder vergessen werde und die für mich zu den Top-dramatic-scenes in Serien zählen.

Hier gibt es keine gelackten CSI-Büros und Stöckelschuh-Ermittlerinnen mit zuviel Lipgloss und Gucciklamotten. Hier gibt es kein oberflächliches, undifferenzierts, fein säuberlich getrenntes Gut und Böse. Keine blitzblank geleckten Alu- und Glasgebäude und schnuckelige Sonenuntergänge, keiner der seine Sonnenbrille ständig auf- und absetzt und nebenbei im edlen 5000$ Nadelstreifenanzug mal eben alle Fälle löst. Hier gibt es nur Dreck und Schmutz, eine, wie selbst echte Cops später sagten, durchaus realistische Sicht auf die Straße. Hier regiert Korruption und das Gesetz der Gewalt und des Stärkeren.

Das anfänglich noch obercoole Strike Team:

Angeführt von einer Mischung aus Popeye und Meister Proper, der personifizierten Abrissbirne aka Kampfklops Vic Mackey (Michael Chiklis, Golden Globe und Emmy ausgezeichnet), der sich muskelbepackt und einmal zuviel ins Testosteronbecken getaucht in viel zu enge T-Shirts presst, bald aus allen Nähten platzt vor lauter Macho, sich durch die Betten schläft und macht was er will. Wohl einer der besten Antihelden der Seriengeschichte. Einerseits hasst man ihn, andererseits fühlt man nicht selten mit im Laufe der 7 knüppelharten Staffeln.

Dann haben wir noch die beiden nicht minder coolen und oberharten engsten Macho Cop-Kumpels von Vic, Detective Shane Vendrell (Mein persönliches Highlight Walton Goggins), der ebenso stark spielende Detective Curtis 'Lem' Lemansky (Kenny Johnson) und der eher im Hintergrund bleibende Detective Ronnie Gardocki (David Rees Snell).

Doch die Coolness und Machoallüren sind schneller verflogen als man 'Pumpgun' sagen kann und das Team entwickelt sich langsam zu einem permanent und bis zum Anschlag unter Druck stehenden, großen Häufchen Elend, das immer mehr zwischen alle Fronten gerät. Fronten die sie sich allerdings auch teilweise selbst geschaffen haben. Die Familien sind involviert, es geht um Freundschaft, Zusammenhalt, Verrat und das nackte Überleben. Kaum scheint für das Strike Team ein rettendes, schwaches Licht am Horizont zu leuchten, haben die Vier die nächste Scheiße an den Hacken. Vic Mackey gibt alles um sein Team zusammenzuhalten, und gleichzeitig noch seine inzwischen brüchige Ehe zu retten. ...

Die hektische Doku Style-Kameraführung reduziert sich im weiteren Verlauf deutlich, die Story fokussiert sich mehr und mehr auf das Strike Team, und spätestens ab Ende Staffel 1 sollte man wohl gepackt sein und der Suchtfaktor einen komplett im Griff haben. Und dann folgen ja noch 6 hochdramatische Staffeln, die es nur so in sich haben. Und immer wenn man denkt, meine Güte, was soll jetzt noch kommen, wird nochmal eine Schippe draufgepackt.

Neben dem Haupthandlungsstrang 'Strike Team', gibt es noch diverse interessante Nebenschauplätze, wie den homosexuellen Cop-Anwärter Julien Lowe (Michael Jace, der inzwischen auch im realen Leben durch Gitter gesiebte Luft schnuppert, hat er doch angeblich seine Frau ermordet), Detective Holland 'Dutchboy' Wagenbach (Jay Karnes), der unbedingt Serienkillerjäger beim FBI werden will und schauspielerisch einiges zu bieten hat, den gnadenlosen, eiskalten Obergangster Antwon Mitchell (Anthony Anderson), die mehr als überzeugend performende Detective/Captain Claudette Wyms (CCH Pounder) und als Zuckerguss kommen später noch die große Glenn Close als knallharte Captain Monica Rawling und der auffallend abgemagerte Forest Whitaker als FBI-Psycho Lieutenant Jon Kavanaugh, der mal so richtig kräftig am Rad drehen darf.

Obendrein gibt es noch Franka Potente, Carl 'Apollo Boxer' Weathers, John 'Miami Vice' Diehl, Frank Grillo, Michael Pena, Daniel Dae Kim aus Lost und diverse weitere bekannte Gesichter aus Film und Serie. Regie u.a. Frank 'Walking Dead' Darabont und Kurt 'Sons of Anarchy' Sutter, der auch an den Drehbüchern mitschrieb. Klingt nicht nur groß, ist es auch.

Randnotizen: Vic Mackeys Filmfrau ist die echte Frau von Macher Shawn Ryan und mit der echten Frau von Vic-Darsteller Michael Chiklis befreundet. Mackeys Filmtochter ist seine echte Tochter. Walton Goggins und Kenny Johnson sind im echten Leben übrigens dicke Kumpels. ...

Fazit: Neben 'The Wire' wohl das Beste was der Cop Drama-Serienmarkt bis heute zu bieten hat. 2003 u.a. mit dem Golden Globe für beste Dramaserie veredelt und das ist auch mehr als verdient und gut so.

Tip: Die ersten, etwas schwierigen Folgen überstehen, dranbleiben, diesen äußerst komplexen, vernünftig zu Ende gebrachten Höllenritt 'genießen' und am Ende mit zitternden und schweißnassen Händen, Tränen in den Augen und den Nerven komplett am Ende vor dem TV hocken.

Wertung, auch nach der 3. Sichtung:
10 von 10 um den Hals hängenden, brennenden Gummireifen und das HERZ für meinen Schatzzzzzz: Walton 'Shaaaaane' Goggins !

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