Larry David ist allen Seinfeldfans nur zu gut bekannt, als kreativer Kopf hinter der Serie, in der er eigentlich um nichts geht. Und wer sich mal ein wenig genauer mit dem Serienhit beschäftigt hat, der weiß auch, dass die Seinfeld-Geschichten des öfteren aus dem wahren Leben entsprungen sind, da vor allem Larry David diese in ähnlicher Form schon einmal erlebt hat, zumindest laut seiner eigenen Aussage. Was würde da günstiger liegen, als wenn dieser Kopf sich nicht auch einmal eine ganz eigene Serie auf den Leib schneidert? Gesagt, getan und schon ist der nächste Serienhit im Kasten, welcher aber leider, aufgrund der hierzulande eher unbekannten Hauptperson, noch keinen deutschen Boden betreten konnte. Schade eigentlich, denn "Curb your Enthusiasm", was ja sinngemäß übersetzt so viel wie "Zügele dein Temperament" heißt, ist wirklich eine Bilderbuch-Comedy, wie sie besser kaum machbar ist!
"Curb your Enthusiasm", vom US-Sender HBO, enthält eigentlich so ziemlich alles, was sich der Zuschauer von einer richtig guten Sitcom nur wünschen kann. Angefangen bei der Hauptfigur, die so derart herrlich überzeichnet wurde, dass man mitunter gar nicht so recht weiß, ob man mit ihr nun mitfühlen oder sie verabscheuen soll. Larry David ist nämlich ein Ekel, wie es im Buche steht. Er ist unfreundlich, recht selbstverliebt und macht aus einer Mücke eine Elefantenherde, die kaum noch überschaubar scheint. Die kleinste Unstimmigkeit bringt ihn zur Weißglut, der geringste Grund reicht vollkommen aus, um ihn vollends aus dem Konzept zu bringen. Und dennoch bleibt er bei seinem Tun menschlich und sein Handeln kann man in aller Regel trotzdem irgendwo so gut wie immer nachvollziehen. Und das dürfte es dann eigentlich auch so ziemlich sein, was die Figur des Larry David einfach nur brillant erscheinen lässt. Überzeichnet und trotzdem realistisch, ekelhaft und trotzdem sympathisch, ständig verbittert und trotzdem zum totlachen. Selten gab es in einer Sitcom solch eine vielschichtige Figur, die man einfach nur lieb haben muss, obwohl man sie im wirklichen Leben wohl nicht in den eigenen Freundeskreis aufnehmen würde.
Doch was macht Larry David nun eigentlich zu diesem Ekelpaket? Auch darauf findet "Curb your Enthusiasm" schnell eine Antwort. Es ist seine Umgebung, nichts Anderes! Denn auch seine Mitmenschen sind alles andere als einfach. Wenn Larry z. Bsp. kurz nach 22:00 Uhr bei seinem Manager anruft, einer Zeit bei der dies eigentlich Tabu sein sollte, und von da an riesigen Ärger mit dessen Frau bekommt, oder wenn er einen Riesenaufstand nur dadurch auslöst, weil er in einer Arztpraxis einen kleinen, und durchaus angebrachten, Kritikpunkt äußerst, dann wird einem wirklich sofort klar, dass er in dieser Umgebung mitunter gar nicht anders reagieren kann, als aus der Haut zu fahren und eben diesen oder jenen Fehler zu begehen. Die Fettnäpfchen in Larrys Umgebung sind riesig und damit meine ich wirklich riesig, dass es wohl niemand auch nur ansatzweise schaffen könnte, diese zu umgehen, wenn sie ihm im wirklichen Leben vor die Füße gestellt würden. Herrlich gekonnt auf die Spitze getrieben, krümmt sich der ganze (bildliche) Saal vor lachen. Und wer jetzt meint, dass ihm das zu sehr nach "Seinfeld" klinge, dem sei hiermit noch gesagt, dass Larry im Grunde die Unrated-Version von "Seinfeld" darstellt oder auch als "Seinfeld hoch 10" durchgehen könnte. Es ist einfach nur zum schiessen.
Inszeniert ist die Serie, im Gegensatz zu den meisten HBO-Produkten, dagegen eher schlicht. Wie bei den meisten Sitcoms, machen auch bei "Curb..." die brillante Idee, sowie die kongenialen Dialoge die Musik. Sonderlich gewievte Inszenierungsknaller gibt es keine, abgesehen von dem leicht angehauchten Dokumentationsstil, der im Grunde an die, der Serie vorangegangenen, Fake-Doku unter gleichem Namen, angelegt wurde. Das Larry David sich hier selber spielt ist jedenfalls spürbar und ständig hat man als Zuschauer das Gefühl, dass ihn ein unsichtbarer Kameramann durch sein Leben begleitet. Die dadurch aufkommende Doku-Atmosphäre ist deshalb auch schlichtweg atemberaubend und drückt der Serie nun endgültig den Genialitäts-Stempel auf. Gut so!
Als krönenden Abschluss müssen nun aber natürlich noch die Schauspieler erwähnt werden, ohne die die Serie wohl dennoch nur die Hälfte wert wäre. Larry David spielt sich einfach köstlich. Mit einem unglaublichen Trieb zur Selbstverarsche zieht sich David hier durch den Kakao, dass es nur so eine Freude ist. Hinzu kommen Cheryl Hines als seine ihn liebende Ehefrau, Jeff Garlin als sein engagierter Manager, sowie viele Gastauftritte von (Serien-)Stars wie Julia Louis-Dreyfus, Ted Danson, Jason Alexander, (am häufigsten) Richard Lewis und viele, viele mehr! Nur Jerry Seinfeld wollte wohl, abgesehen von einem Mini-Cameo in der vierten Staffel, nicht so recht. Aber nun gut!
Fazit: Genialität dein Name sei Larry! "Curb your Enthusiasm" ist, ohne Frage, neben "King Of Queens", die wohl derzeit beste und beliebteste Sitcom überhaupt. Was David hier geschaffen hat ist einfach nur brillant. Eine herrlich verschrobene Figur, umgeben von einer noch viel verschrobeneren Umwelt, die vollkommen tabulos genau das sagt was sie denkt, genau das tut was sie will und dabei eigentlich nie wirklich etwas erreicht. Der Zuschauer schaut ihm bei dieser Tour, durch die größten Fettnäpfchen der Welt, dabei nur gewillt zu und lacht sich dabei sowas von ins Fäustchen, dass es mitunter Bauchschmerzen bedeutet, wenn die viel zu kurzen 30 Minuten schon wieder vorbei sind. Wer des Englischen mächtig ist, der sollte sich diese köstliche Serie einfach nur ganz schnell aus dem Ausland zulegen. Und für Seinfeld-Fans ist sie sowieso Pflicht!
Also nicht verpassen!
Wertung: 9,5/10 Punkte
BTW: Ähnlichkeiten mit der deutschen Serie "Pastewka" sind übrigens alles andere als rein zufällig. Denn wie Bastian Pastewka schon einmal in einem Interview anmerkte, hat er seine Serie ganz bewusst, an dieses große Vorbild angelehnt. Man könnte also glatt von einem inoffiziellen deutschen Remake sprechen, welches glücklicherweise fast genauso gut gelungen ist, wie Larrys Geniestreich hier!