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Viel interessanter als der eigentliche Film selber ist die Entstehung von Kinskis „Paganini“, das Drumherum später und bis der Film überhaupt mal dem deutschen Publikum gezeigt werden konnte. So ist „Paganini“ genau so wie Kinski selbst: Teilweise genial, dann doch wieder arg amateurhaft und wirr sowieso.


Der Inhalt ist schnell erzählt. Klaus Kinski ist Niccolo Paganini, der berühmte italienische Teufelsgeiger. Im 19. Jahrhundert war er der beste Violinenspieler überhaupt, auch dank einer seltenen Krankheit, die seine Finger so beweglich machten.
Irgendwann in den 60er Jahren sah Kinski ein Porträt von Paganini und er war sicher, Kinski hatte schon mal gelebt, eben als Paganini. Alles passte wunderbar zusammen. So hatte kinski nur ein Ziel vor Augen: Er wollte seinen eigenen Film drehen, er wollte Paganini sein, er wollte eigentlich alles machen und so geschah es dann auch. Kinski war verantwortlich für das Drehbuch, die Regie und vieles vieles mehr. Kinski war ein guter Schauspieler, keine Frage, aber als Regisseur hat er leider nicht alles richtig gemacht. So war es auch kein Wunder, dass es den Film in zwei Versionen gibt.

Immerhin war Kinski dann doch nicht der Meinung, dass er auch noch so gut Violine spielen könnte wie Paganini (sonst kann Kinski aber alles), so wurde extra für den Film ein italienischer Violinespieler ans Set geholt, der es verstand, die Stücke des Virtuosen Paganini genau so zu spielen, Kinski bewegte dann im Film halt einfach nur den Bogen.

Der Rahmen stimmt also, was ist mit dem Rest? Spätestens da scheiden sich die Geister nun endgültig und auch ich bin ziemlich unschlüssig, was man nun von „Paganini“ halten soll. Auf der einen Seiten ist Kinski mal wieder präsent wie eh und je, natürlich, es ist ja auch diesmal sein Film, keiner konnte ihm reinreden. Nachteil: Kinski konnte nicht mal eben vom Set abhauen, wenn er keine Lust mehr hatte oder sich aufregen.
Zunächst sollte man wissen, dass es zwei Versionen von „Paganini“ gibt. Zu einem gibt es die versione originale von Kinski, so hat er sich den Film vorgestellt. Doch man muss gleich sagen, diese Fassung ist in einem erbärmlichen Zustand, wurde sie doch nur per Zufall von Kinskis Sohn Nikolai in den Nachlässen seines Vaters gefunden. So sieht das Bild dann auch aus, der Ton ist sogar noch schlechter. Dies ist aber nun mal die Version, die sich Kinski vorgestellt hatte und sicherlich Geschmackssache, wie der ganze Film.
Dann gibt es noch die Kinoversion, die über eine Viertelstunde gekürzt wurde von irgendwelchen Leuten, dazu umgeschnitten und was weiß ich. Jedenfalls ist es nicht mehr die Version von Kinski. Man konterte, die Kinski Version sei nicht mehr ansehbar, zu wirr, zu pornographisch, so dass diese Kinoversion zu Stande kam.

In den Hauptrollen besetzte sich Kinski natürlich selbst, seinen Sohn Nikolai als Paganinis Sohn Achille und Kinskis damalige Lebensgefährtin Deborah Caprioglio. Danach wird es ziemlich strange und man müsste ein neues Adjektiv erfinden, um gewisse Szenen zu beschreiben. Dieses Adjektiv heißt ab nun kinski. Der Film ist recht Dialogarm, zum großen Teil hört man nur die Violinenmusik von Paganini, dazu läuft Kinski durch die Gegend. Jetzt kommen die parallelen zwischen Paganini und Kinski selber, beide sollen sexsüchtig gewesen sein und dies lebt Kinski in seinem Film, zumindest in seiner versione originale, extrem aus. Entweder spielt Kinski die Violine, oder er vergnügt sich mich diversen Frauen in jeder möglichen Stellung. Die Frauen sollen Paganini verfallen sein, und genau dies lebt Kinski aus. Die Frauen der Stadt befriedigen sich selber, wenn er spielt, sie werden geil und können kaum die Finger von Paganini lassen, dieser nutzt es aus und bespringt die Frauen auch mehrmals. Seine einzig große liebe bleibt aber Antonia Bianchi (Caprioglio), die ihm später auch den Sohn Archille schenkt. Der Rest ist einfach nur kinski, ob man dies nun großartig und wundervoll findet, oder eben als totalen Schrott abstempelt, da wird es viele Meinungen geben. Auch ich bin mir nicht wirklich sicher, wie man diesen Film schlussendlich einordnen soll. Allein die Naturbeleuchtung, die Kinski „benutzt“, könnte schon viele Leute abschrecken, denn in der versione originale sieht man dann teilweise fast gar nichts mehr, weil halt nicht genügend Licht da war, Kinski aber einfach weiter drehte.


Fazit: Kinskis „Paganini“ ist so seltsam wie der Meister selbst. Mal gibt es großartige Bilder, dann wird es wieder wirr, wilde Zeitsprünge, kein chronologischer Ablauf mit einigen sexuellen Exzessen von und mit Klaus Kinski. Man muss sich nicht wirklich wundern, aber ich kann Leute gut verstehen, die diesen Film zerrissen haben oder zumindest keinen Zugang gefunden haben. Der Film ist anstrengend, besonders in der versione originale, eben kinski.
Trotzdem anschauen.

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