Paganini betritt die Bühne eines großen Konzertsaales, verneigt sich mehrmals, sein Gesicht liegt im Halbdunkel. Der tosende Applaus von den Rängen, die immerwieder von der Kamera abgeschwenkt werden, verstummt erst, als Paganini sich sein Instrument ans Kinn setzt. Das Konzert beginnt, die ersten virtuos gespielten Klänge, nervöse Frauenhände, ekstatische Frauengesichter, nur vom Licht der Kerzen beleuchtet.
So beginnt Klaus Kinskis persönlichster Film. Eine durchaus beeindruckende Eröffnung mit unmittelbarer Wirkung auf den Zuschauer, der direkt in die richtige Stimmung versetzt wird. Und nicht weniger eindrücklich ist auch das Ende, bei dem Paganini, vom Tode gezeichnet, Blut spuckend, delirierend ein letztes Mal auf der Geige spielt. Umtobt von einer entfesselten Handkamera, steigert er sich dabei in wahnsinnige Geschwindigkeit, und die Musik beginnt Note für Note immer bizarrer zu werden, bis nur noch ein kakophonisches Todesbalett aus den Saiten dringt. Auch diese Sequenz darf zurecht bestaunt werden, und erinnert an Leones C´era una volta il west, wo ein Mundharmonika-Thema bekanntlich durch die letzten Atemzüge eines Sterbenden entsteht.
Aber zwischen Beginn und Finale wird es zeitweise wirklich anstrengend. Kinskis Intention und persönliches Engagement in allen Ehren, aber eine unzusammenhängende Ansammlung von Einzelsequnzen über volle Spielfilmlänge hinweg ist mir zu wenig, da mögen noch so schön gefilmte und montierte Momente aufblitzen. Hätte Werner Herzog die Regie übernommen, wie es wohl ursprünglich auch angedacht war, aus Paganini hätte ein grandioses Werk werden können, da bin mir sicher. Statt dessen ist ein zugegeben schön gefilmter, aber in mehr oder weniger gelungene Einzelsequenzen zerfallender Video-Clip entstanden, in dem sich Kinski in eitler Selbstdarstellung gefällt.