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Es gab einmal eine Zeit, in der im kleinen, beschaulichen Dörfchen Bathory die Vampire friedlich miteinander lebten, ohne Haß, ohne Gewalt. Dieses Kunststück ist auf das Wirken des legendären Vampirfürsten Bathor, dem Namensgeber des Dorfes, zurückzuführen. Doch diese Zeiten sind längst Geschichte; wir schreiben nun 2000 A. B. Richtig, zweittausend Jahre sind seit Bathors Herrschaft vergangen, und an Frieden ist längst nicht mehr zu denken. Der frauenhassende Fanatiker Grando (Seth Chatfield) hat die (dummen und entstellten) Männer des Dorfes um sich geschart, um allen Vampirinnen den Garaus zu machen. Immer wieder macht die haßerfüllte Gruppe mit ihren Armbrüsten Jagd auf die hilflosen Frauen, um sie ein- für allemal auszulöschen. Lediglich zwei ausgestoßene Vampirfrauen, Giltine (Sindy Katrotic) und Naga (Simone de Boudoir), die sich eigentlich nicht in den Konflikt einmischen wollten, haben Kampferfahrung und entscheiden sich schließlich, den Frauen beizustehen. Ihre hehren Absichten werden jedoch von einer heimtückischen Verräterin untergraben, und so fällt weiter eine nach der anderen den feigen Attacken der Männer zum Opfer. Bald ist nur noch eine Handvoll Vampirinnen, darunter das lesbische Pärchen Élisabeth (Chloé Cunha) und Fantine (Mary Widow), übrig, und auch deren Flucht scheint letztendlich zum Scheitern verurteilt zu sein.

Blood of the Tribades ist als einzige große Hommage konzipiert, oder, um es mit den Worten der Ko-Regisseurin zu sagen: "With this film we tried to do a 1971 Hammer Horror / Jean Rollin - Jess Franco European vampire film" (Sophia Cacciola zu Beginn des Audiokommentars). Hut ab vor den beiden ambitionierten Filmemachern, einen Film dieser Art mit einem Minibudget von etwa zwanzigtausend US-Dollar auf die Beine zu stellen, auch wenn das Vorhaben leider nur teilweise geglückt ist. Sehr gelungen ist auf jedem Fall - trotz aller Billigkeit - die Ästhetik des Streifens; mit seinen vielen tollen, ruhigen Kameraeinstellungen und den kräftigen, satten Farbtönen ist Blood of the Tribades einfach schön zum Anschauen. Auch die diversen Schauplätze des zur Gänze in Massachusetts gedrehten Filmes, wie z. B. alte Gemäuer, wuchtige Burgen oder idyllische kleine Wasserfälle, geben was her und sorgen für angenehm natürlichen Production Value. Positiv hervorzuheben ist weiters, daß es sich Cacciola und Epstein nicht nehmen ließen, eine eigene Vampirmythologie zu erschaffen, die sie gekonnt mit den brisanten, mehr denn je allgegenwärtigen Problemen der Menschheit vermengten. Wer denkt z. B. bei den Männern, die Bathors Schriften so auslegen bzw. sie so zurechtbiegen, wie es ihnen gerade paßt, nicht automatisch an fanatische Islamisten und deren blutigen Kreuzzug gegen "Ungläubige"?

Dem gegenüber stehen einige Wermutstropfen, die den Genuß des Filmes etwas dämpfen. So mangelt es Blood of the Tribades an der grandiosen, traumähnlichen, zauberhaften Stimmung, wie sie Jean Rollin in seinen besten Werken immer wieder heraufzubeschwören vermochte. Das ist sehr schade, da sich der Streifen stark an den Vampirfilmen des französischen Auteurs orientiert (die sehr langsame, elegische Erzählweise, das theatralische Spiel, die kryptischen Dialoge, die Zwillinge; eine der Frauen spricht sogar französisch!). Doch im Gegensatz zu den Filmen von Jean Rollin, die ich liebe, fand ich Blood of the Tribades überwiegend zäh und langweilig. Erst gegen Ende, wenn es eigentlich schon zu spät ist, kommt eine den Vorbildern entsprechende Stimmung auf und sorgt so zumindest für einen versöhnlichen Ausklang. Der feministische Unterton wiederum steht dem Streifen gut zu Gesicht, wobei dieser nicht nur alibimäßig gepredigt, sondern tatsächlich gelebt wird; so herrscht in Bezug auf nackte Tatsachen (Brüste bzw. Pimmel) absolute Gleichberechtigung, und harscher Gewalt (z. B. Auspeitschungen mit dornenbewährten Rosenranken) sind sowohl Frauen- als auch Männerkörper ausgesetzt. Summa summarum halten sich positive und negative Aspekte in etwa die Waage. Wer also mit Rollin und Franco etwas anfangen kann, der wird vermutlich auch mit diesem freizügigen Retro-Horrormärchen halbwegs passabel bedient.

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