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Im Bereich des Animationsfilms übernehmen dieser Tage Gartenzwerge das Zepter, denn nach „Sherlock Gnomes“ mutieren erneut putzige Hütchengestalten zu agilen Helden.
Die flott vorgetragene Geschichte kaschiert allerdings nicht die frappierenden Parallelen zu „Gremlins“, wobei der Charme ein wenig auf der Strecke bleibt.

Mal wieder muss Chloe mit ihrer Mutter umziehen und sich nach neuen Freunden an der Schule umsehen. Im neuen Haus, welches ihre schräger Nachbarsjunge Liam das Frankenstein-Schloss nennt, taucht plötzlich ein gefräßiger Troll auf, welcher kurz darauf von Gnomen vertrieben wird. Um die Invasion der Trolle zu vereiteln, müssen Chloe und Liam über ein Portal in eine gefährliche Geheimwelt eintauchen…

Das beliebte Sujet von Außenseitern in Heldenrollen steht mal wieder im Fokus, wobei Aspekte wie Freundschaft und Zusammenhalt thematisiert werden, aber auch Oberflächlichkeiten der hippen YouTube - und Instagram-Generation ein wenig Fett abbekommen. Auch Chloe leidet unter Handy-Sucht und wird erst gegen einen Troll aktiv, als dieser ihr Smartphone verschluckt, während die drei Influenzer-Tussen in der Schule ausschließlich mit Fotografieren und Posten beschäftigt sind. Umso erfreulicher die Reaktionen der Gnome, die sich wundern, wie Chloes Mutter in ein so kleines Ding passt.

Überhaupt sind es die Zwerge, die das simpel gestrickte Unterfangen über weite Teile mit einiger Situationskomik und markanten Individuen bereichern. Wie etwa der bubihafte Pocket, der stets mit einem kleinen Vorschlaghammer unterwegs ist oder der altehrwürdige Quicksilver, der in aller Ruhe Schleim zur Gegenwehr zusammenmischt, während die schmalen Augen im schönen Kontrast zum wuchtigen Oberlippenbart stehen.
Demgegenüber sind die jungen menschlichen Helden reichlich stereotyp ausgefallen, denn Chloe mit pinken Haaren ist anfangs ebenso oberflächlich wie die Hipster-Girls an ihrer Schule, während Liam mit Hornbrille, Scheitel und irrem Kichern den Inbegriff des Nerds präsentiert.

Animationstechnisch muss man im Vergleich zu den führenden Produktionsschmieden ein paar Abstreiche machen. Zwar sind die Gesichtsausdrücke der Gnome grandios und sehr detailliert ausgefallen, doch mit den Hintergrundszenerien haben es die Macher nicht allzu genau genommen, was speziell im letzten Drittel deutlicher wird. Das Showdownmonster fällt vergleichsweise klobig aus und erinnert eher an erweiterten Zeichentrick und auch die Kreativität in der Welt hinterm Portal lässt ein wenig zu wünschen übrig. Entmaterialisierungseffekte schauen wiederum gelungen aus und die überaus flinken Trolle, die in ihrer Erscheinung stark an die Critters (nur ohne Fell) erinnern, zählen zu den Stärken der insgesamt durchwachsenen, aber tauglichen Animation.

Viel gibt die Geschichte zwar nicht her, doch für die ganz jungen Zuschauer könnte es zum Finale ein wenig zu düster zugehen und auch die Thematik mit den Portalen dürften jüngere Kids kaum verstehen. Ansonsten ist der Humor kindgerecht, jedoch nie albern und auch Erwachsene können den einen oder anderen Schmunzler mitnehmen.
Unterm Strich werden zwar nur wenige Werte vermittelt, doch dies geschieht ohne großen Kitsch und auf nachvollziehbare Weise.
Insgesamt also ein passabler Animationsspaß, dem im Gesamtbild die markanten Einzelmomente fehlen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
6,5 von 10

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