Regisseur Erik Poppe setzt das Breivik-Massaker auf ungewöhnliche Weise um – als „One-Take“ in Echtzeit aus Sicht einer der Beteiligten, eines (fiktiven) jungen Mädchens. Damit gelingt ihm tatsächlich ein ungeheuer immersives, teilweise auch intensives Filmerlebnis, das seiner erklärten Absicht folgt, die Tat aus der Perspektive der Opfer mitzuerleben. Ob und warum man sich dieser Erfahrung aussetzen sollte, muss jeder mit sich selbst ausmachen.
Denn UTØYA 22 JULY ist auch für den Zuschauer oftmals eine Tortur, ist anstrengend und beklemmend, nervenzerrend aber auch nervig und zäh. Die Kamera bleibt einfach für die knapp 80 Minuten des Attentats extrem dicht (wenn auch möglicherweise nicht immer ganz ohne Schnitt/Blende) an Kaja, die von Andrea Berntzen in ihrem Debüt (!) so verkörpert wird, dass man kaum auf den Gedanken kommt, hier einen Spielfilm zu sehen. Wir verstecken uns mit Kaja, ducken uns vor dem dumpfen Knallen der Schüsse, liegen minutenlang mit ihr neben einem verletzten Mädchen im Todeskampf, halten Ausschau nach den Unbekannten und sehen – nichts. Der Täter wird in diesem Film quasi ausgespart, taucht nur in zwei kurzen Szenen als schemenhafte Gestalt auf und wird auch in den Texttafeln vor und nach dem Film nicht namentlich genannt. Dieser Film gehört den Opfern, das wird auch damit klargestellt.
Dass Breiviks Rechtsextremismus am Ende noch für eine etwas zu aufdringliche politische Botschaft instrumentalisiert wird (ähnlich Spike Lees BLACKKKLANSMAN), ist eine der wenigen Schwächen des Films. Denn wenn eines am Ende klar ist, dann, dass dies nur die Tat eines Psychopathen sein kann, der im Rechtsextremismus eben sein Zuhause gefunden hat. Mit Politik hat das nichts mehr zu tun. So verlässt man den Film mit einem Kloß im Hals und einem Stein im Bauch.