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Der Werbefachmann Roger Thornhill wird von unbekannten Männern entführt und mit einem gewissen George Kaplan verwechselt und kann nur knapp entkommen. Er versucht Kaplan zu finden und wird bei seiner Suche selbst eines Verbrechens beschuldigt, weswegen er fliehen muss. Auf einer Zugfahrt lernt er schließlich die hübsche Eve kennen, die ihm scheinbar helfen will, währenddessen rückt er immer weiter in das Visier seiner Jäger.

Die Story ist gut. Auch hier sieht man wieder offensichtlich das Problem eines jeden Klassikers. Damals konnte die Story um die Verfolgung eines Unschuldigen noch schockieren, doch heute ist sie längst überholt und zum gängigen Muster geworden. Dennoch kann die Story durch die eine oder andere innovative Idee und eine hohe Unvorhersehbarkeit mit den heutigen Thrillern mithalten. Hier sieht man einmal mehr, wie revolutionär Hitchcocks Filme eigentlich waren. Auch bei der Charakterkonstruktion leistet er gute Arbeit und bemüht sich sehr auf die nötige Tiefe zu achten. Hitchcock liefert einige unvorhersehbare 180°-Wendungen und kann mehrfach überraschen. Hinzu kommen noch die oftmals doppeldeutigen und ironischen Dialoge, die an die "James Bond"-Film erinnern.

Hitchcocks Umsetzung ist einmal mehr revolutionär und virtuos. Aber auch hier taucht wieder das Klassiker-Problem auf, denn mittlerweile sind auch Hitchcocks Mittel überholt. Es gibt kaum Filmmusik und wenn mal welche Auftritt ist sie meist geheimnisvoll und spannungssteigernd. Das Erzähltempo ist relativ langsam, aber dennoch schafft Hitchcock es, den Film zu keinem Zeitpunkt auf der Stelle treten zu lassen. So kann er die Spannung konstant aufrechterhalten. Die Atmosphäre ist aufgrund der Hilflosigkeit der Hauptfigur die meiste Zeit gespannt. Hitchcock baut sogar ein paar Action-Szenen ein, so z.B. auch die beinahe legendäre Szene, in der Cary Grant vor einem kleineren Flugzeug fliehen muss. Doch auch diese Szenen können in Zeiten von "Fluch der Karibik" und "Transformers" niemanden mehr beeindrucken. Hätte der Altmeister die modernen Mittel zur Verfügung gehabt, hätte er mit Sicherheit noch mehr aus dem Film herausholen können. Hitchcock zeigt sich auch 1 Jahr vor seinem Meisterwerk "Psycho" überaus stark.

Ich persönlich finde die meisten Klassiker überaus langweilig, da sie zum Großteil schon seit Jahrzehnten überholt sind. Umso überraschter war ich von diesem wirklich ordentlichen Film. Der Film war zwar nicht sonderlich spannend, aber die ganze Zeit über unterhaltsam. "Der unsichtbare Dritte" läuft schnell an, da die Hauptfigur sehr früh entführt wird. Auch im Mittelteil kann der Film durch die gespannte Atmosphäre und das perfekte Erzähltempo zu jedem Zeitpunkt gut unterhalten. Durch die ironischen Dialoge wird der Film stellenweise sogar amüsant, ohne dabei den nötigen Ernst zu verlieren. Das Finale bietet zwar nicht unbedingt die atemlose Hochspannung wie damals, ist aber dennoch gut. Aus der heutigen Sicht gesehen, ist der Film immer noch über dem Mittelmaß einzuordnen.

Cary Grant spielt gut und erinnert mit seiner ironischen und coolen Darstellung sehr an Sean Connery in seiner "James Bond"-Rolle. Die Rolle des Roger Thornhill wird wohl für immer seine beste und vor allem bekannteste bleiben. Auch Eva Marie Saint, die überraschenderweise immer noch aktiv ist und in "Superman Returns" mitspielte, leistet gute Arbeit. Auch die übrigen Nebendarsteller sind überzeugend.

Fazit:
"Der unsichtbare Dritte" ist einer der wenigen Klassiker, die man sich auch heute noch zu Gemühte führen kann, ohne sich die ganze Zeit über zu langweilen. Durch eine gespannte Atmosphäre und ein paar 180°-Wendungen setzte Altmeister Alfred Hitchcock einen Meilenstein der Filmgeschichte, dem man das Alter leider bei Bild, Ton und Action-Szenen anmerkt. Vor allem für Fans vor Thrillern und Klassikern zu empfehlen und für Cineasten ein Muss.

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