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Nachdem anno 1932 die Columbia den Versuch unternommen hatte, die allgemeinen Kassenerfolge mit den Philo-Vance-Verfilmungen mittels eines anderen Filmermittlers namens Thatcher Colt zu kontern – und das Ergebnis einigermaßen entspannend ausfiel – hingen die wackeren Billigfilmer (Columbia war damals noch ganz kurz davor, zu den Poverty Row-Studios gezählt zu werden) flott eine Fortsetzung um den deduktiv beeindruckenden Polizeikommissioner dran.

Sie behielten das Erfolgsduo des ersten Films bei, das hieß, Adolphe Menjou übernahm noch einmal die Ermittlerrolle und seine Untergebene „Mrs. Kelly“, dargestellt von Ruthelma Stevens, war wieder mit von der Partie. Tatsächlich hatte die Gute jetzt noch mehr zu tun, als in Whodunit Nr.1, wo sie als einzige weibliche Polizistin unter einer Gruppe von handschellentragenden Schlapphüten und Holzköpfen, Befehlsempfängerin aus nahe liegenden Gründen war.

In diesem zweiten Film durfte sie nicht nur mitermitteln, sie hängt sich auch gleich noch proaktiv an ihren kriminalmüden Chef, der gerne mal wie weilend jeder König ein paar Tage Urlaub unter Alias machen will, weil sonst sofort jeder Mordfall der Welt um die Ecke getrottet kommt.

And so it goes, kaum nähert man sich dem wahllos ausgesuchten Urlaubsort by train (damals fuhren noch Züge in den USA), kommt man im Regenguss auch schon an einem fahrenden Zirkus vorbei. Und als man dann aussteigt, steht auch schon der erste Comic Relief und alte Bekannte vor Colt: Jim Dugan ist so sehr Presseagent wie er begriffsstutzig ist, lädt seinen alten Bekannten aber erst zur Straßenparade und später dann zur Vorstellung ein.

Natürlich ist da wieder einiges im Argen: es gibt einen Erpresserbrief, während der Parade gehen die Pferde aufgrund eines Schusses durch und bei der "Menschenshow" des Zirkus mit ihren „Kannibalen“ (mit denen offenbar niemand kommunizieren kann) ist man sich nicht sicher, ob sie einer zuviel oder einer zu wenig sind und ob derjenige geflüchtet ist oder aufgegessen wurde.

Wer das Opfer ist, verrät uns natürlich schon der Filmtitel, aber tatsächlich vermeidet dieser Film die gängige Struktur, mit einem Mord im ersten Drittel anzufangen und dann die Verdächtigen abzuarbeiten. Stattdessen gibt es Licht und Tagesaufnahmen im hellen Sonnenschein, das immer interessante Zirkusgelände und einige schöne Manegenszenen.

Bis endlich mal einer (bzw. eine) tot ist, vergehen mehr als zwei Drittel des Films und eigentlich gehören beide Mordanschläge streng genommen schon zum Showdown. Besonders knifflig ist der Fall dann auch nicht, denn da es sich bei dem Täter (der Ehemann des Mordopfers) um Dwight Frye, das bekannte Gesicht aus fast einem Dutzend Gruselfilmen der 30er und 40er handelt, liegt schon nahe, was hier zu erwarten ist.

Die Clues sind recht durchsichtig, wenn man schon mal Krimis gesehen und gelesen hat, aber die Hochseilakte wirken recht überzeugend und wenn sich das Ehebrecherpaar Greta Nissen (eine gebürtige Norwegerin) und fancy Donald Cook als der „Great Sebastian“ in ihrem Zelt in der OV auf deutsch unterhalten, dann ist das eine hübsche Abwechslung, die in einer Synchro natürlich perdu gehen würde.

Das Finale ist mehr eine Belagerungssituation denn ein deduktives Meisterwerk, aber die 63 Minuten ergeben dennoch hübsch farbenfrohe (obwohl in s/w gedrehte) Unterhaltung mit guten Dialogen und einer Menge Abwechslung.

Danach weckt man die Colt-Reihe jedoch leider ein – was angesichts von Dutzenden wesentlich schwächerer „Murder Mysteries“ aus meiner Sicht sehr schade war – und holte den Ermittler erst in den 40ern noch einmal für „The Panther’s Claw“ hervor, wenn auch mit Sidney Blackmer als „Colt“.

Findet sich zum Glück meist frei verfügbar im Netz, sehr zu empfehlen, weil praktisch schon vergessen. (7/10)










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