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Wer Turkish Star Wars nicht gesehen hat, weiß gar nichts über das Kino an sich. Das phantastische Kino unterhält mich schon seit meiner Kindheitstage und so habe ich vieles gesehen, was das Genrekino hervorgebracht hat. Meistens waren es Übersee Produktionen, auch europäische Beiträge erfreuten mein Herz und ab und zu natürlich ein Flick aus Ostasien. Dabei war mir nicht bewußt, daß auch am Bosporus Kinogeschichte geschrieben wurde. Aufgrund mangelnder Urheberrechte wurde so ziemlich jede amerikanische Erfolgstory in den 70er Jahren in der Türkei verwurstet und mit eigenen Normvorstellungen angereichert. Doch den Höhepunkt stellt sicherlich Turkish Star Wars dar. Eigentlich hat der Streifen nicht viel mit Star Wars gemein, außer der vielleicht am Anfang frech direkt aus George Lucas Erfolgsfilm samt Score geklauten Weltraumkampfzenen. Und glauben Sie mir, selbst die stammen nicht von einer Originalkopie sondern eher von einer Kopie einer Kopie einer Raubkopie.

Die Story läßt sich schnell erzählen. Zwei Kampfpiloten stürzen auf einen Planeten ab, sagen wir einmal Wüstenplaneten. Dort finden sie eine Siedlung deren Anwohner von den Truppen des Oberbösewichtes drangsaliert werden. Doch unsere Helden wären keine Helden, würden sie ihm nicht letztendlich Einhalt gebieten und damit die Menschheit retten.

Turkish Star Wars wartet in der ganzen Inszenierung mit einer ungebremsten Naivität auf, dass es einem schlichtweg erst dem Atem verschlägt und danach das Zwergfell vor Lachen schmerzen läßt. Am Anfang sehen wir unsere Protagonisten in ihren Fliegern sitzen. Auf dem Kopf ein Mopedhelm und stinknormale Kopfhörer. Aber dies ist erst der Anfang einer Odyssee aus eigenwilligem Kung-Fu, Mumien mit Bandagen aus Toillettenpapier!!! und Skelletereiter die sich sich als Mimen in schwarzen Gymnastikanzügen mit aufgemalten Knochen darstellen. Die Helme sind eigentlich Küchensiebe und manche Maske entpuppt sich als mit Alufolie umklebte Pappe. Aber als wäre dies nicht genug sind die fürchterlichen Monster deren sich unsere Helden erwehren müssen einfache blaue, grüne oder rote Kuschelkrümelmonster aus Filz, Wolle oder was auch immer. Selbst Schwerter und Lanzen scheinen aus Pappe gebastelt. Was sich jetzt nach Satire oder Homage an das frühe Science Fiction Kino anhört, kommt jedoch als völlig ernst gemeinter Abenteuerfilm daher. Sogar die Hauptrolle ist mit Cüneyt Arkin, der sogar von sich behauptete als neuer James Bond vorgesehen zu sein, prominent besetzt. Untermalt wird das ganze von berühmten Themen der Filmgeschichte. Ich meine sogar Indiana Jones gehört zu haben, auf jeden Fall aber auch Ben Hur.

In anbetracht der Tatsache, dass dieser Film wirklich ganz normal in türkischen Kinos lief und dort anscheinend auch ziemlich erfolgreich war, muss ich alles, was ich bisher über den phantastischen Film zu wissen glaubte neu ordnen und überdenken. Wenn Sie glauben alles schon einmal gesehen zu haben, dass Sie nichts mehr erschüttern kann, schauen Sie sich einfach diesen Film an. Falls Ihnen dies überhaupt an einem Stück gelingt.

Wenn es so etwas wie den ultimativen Trashfilm geben sollte, dann ist es definitv Turkish Star Wars.

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