Review

Das wahrscheinlich grandioseste „Plagiat“ der Filmgeschichte

Als einer der heiligen Gräle des türkischen sowie noch viel eher des trashigen Kinos lässt „Turkish Star Wars“ aka „The Man Who Saves The World“ aka „Dünyayi kurtaran adam“ mit viel Kopiechuzpe, Dreistigkeit und Talentlosigkeit (aber auch Trashcharme!) in einer (gar nicht so) weit entfernten Galaxie zwei kampferprobte Machopiloten auf einem fremden Planeten (oder eher der Erde!) abstürzen und gegen einen bösen Imperator und seine Plüschmonster kämpfen…

Eine schamlose Perle des schlechten Geschmacks

„Turkish Star Wars“ ist (wie ein paar andere Übertrashperlen a la „The Room“ oder „Samurai Cop“) besonders schwer zu beschreiben, schwer zu kritisieren, schwer zu bewerten. Vielleicht ist er sogar der Urvater von solchen bewertungstechnischen Zwickmühlen. Totaler Müll - aber man hat die Zeit seines Lebens. Total geklaut - aber es kommt doch alles origineller zusammen als bei fünf durchschnittlichen Filmen. Total bescheuert - aber ich liebe es. Total unspannend - und man ist trotzdem jede Minute gespannt, was als nächstes auf die Menschheit losgelassen wird. Total ein Kind seiner Zeit und Kultur - und doch längst zeitlos, weltweit-menschliches Kulturgut und transzendiert. Total daneben - und trotzdem genau die richtigen Humortöne treffend. Total dreist und schamlos - aber mit mehr Charme und Leidenschaft und Kreativität als man meint. Total türkisch - und doch universell. Total verkackt - und trotzdem gut getürkt. Totale Abzocke - und doch jeden Cent wert. Total geklaut bei Lucas, Spielberg, Williams und Co. - und ich wette, die haben sich allesamt damals genauso beömmelt wie wir und haben verständlicherweise auf Klagen und Verbote verzichtet. Totaler Kokolores und wild mit heißester Nadel zusammengeschustert - aber im Grunde dann doch rund wie ein Ikosaeder. Da brennen Ohren, Augen und Pobacken! Da gibt's sogar die ein oder andere wirklich beachtliche (Höhlen-)Landschaft. Und eben Cüneyt Arkins unsterbliche Aura und seine tödliche Handkantenaction, die sogar Kalksteine explodieren lässt. Hier sieht man Dinge von denen man nicht zu träumen wagte. Das übersteigt die meisten Fieberdelirien. „Turkish Star Wars“ geht bis heute auf keine Kuhhaut. Ein Unikat! Und trotzdem oder gerade deshalb sollte diesen Wahnsinn schlicht und ergreifend jeder Filmfan zumindest einmal in seinem Leben gesehen haben… Die Plagiatur des Kreises. The Real Deal. 

Manche wollen das Kino (oder das eigene Portemonnaie!) einfach nur brennen sehen… 

Fazit: Ein Film der Mauern zertrümmert wie Kniescheiben, ein Film der Brücken baut wie Bob in Venedig, ein Film der die Welt heilen könnte. Trashwahnsinn am Nabel der Welt. Oder am Arsch von Anatolien. Wie man's sehen will. Danach ist man durch… Und happy. Ich zumindest. Mehr Kult als „Turkish Star Wars“ wird schwer zu finden sein. 

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