Review

Wie so oft bleibt Robert Rodriguez uns den Beweis für seine Klasse schuldig.
Was als Abschluß seiner Mexiko-Mariachi-Trilogie angelegt ist, entpuppt sich als zumindest in dem Ausmaß mit Sicherheit nicht beabsichtigte Farce.
Nichts aber auch gar nichts in diesem Machwerk will überzeugen.
Will Rodriguez Sergio Leone huldigen, so kommen seine Flashbacks im Sinne der Flashbacks von „Für ein paar Dollar mehr“ oder „Spiel mir das Lied vom Tod“ viel zu unmotiviert oder grotesk rüber. Jedenfalls fehlt es absolut an Überzeugungskraft.
Auch das Warum bleibt – wenn man sich die Chronolgie der Trilogie anschaut – irgendwie unbegründet oder zweifelhaft.
Dafür wandelt Rodriguez diesmal auf den Spuren von „Todesmelodie“, Leones schlechtestem Film, indem er das Thema einer mexikanischen Revolution bearbeitet, doch wo selbst Leone scheiterte, den Film aber auf Grund seiner Fähigkeiten als Meisterregisseur und mit Hilfe seines tollen Casts noch irgendwie ins gesicherte Mittelfeld retten konnte, vollbringt Rodriguez mit diesem Cast das fast Unmögliche und liefert einen uneinheitlichen Brei ab, wie man ihn selten gesehen hat.

Banderas soll die Hauptrolle spielen, zumindest der Protagonist sein, dabei ist er zumeist entweder der grüblerische oder am Boden zerstörte Nichtstuer, der mit einer Gitarre rumläuft und traurig aus der Wäsche schaut.
Salma Hayek soll die weibliche Hauptrolle spielen, doch sie hat höchstens 3 Minuten Leinwandpräsenz und einen ganzen Satz zu sprechen, so kommt es einem zumindest vor. Klar sieht sie gut aus, aber das alleine reicht halt nicht.
Kommen wir zu Johnny Depp, dem eigentlichen Hauptdarsteller des Films: Was genau ist seine Rolle, ist er der Held oder einer von vielen Bösewichtern. Soll er etwa eine Art Marlon Brando imitieren in „Queimada“? Und als er dann geblendeterweise zum Überhelden mutiert ist es völlig neben der Kappe. Sicher, sein Charakter oder sein herrlich skurriles Spiel (?)hält den Film aufrecht, zumindest bringt er ihn über die Runden, aber wozu? Viele Fragen, kaum Antworten.
Willem Deffoe verkommt im Laufe des Films zu einer Comic-Figur-Karikatur, Eva Mendez trägt viel zu offensichtlich ein Push-Up. Das sagt schon einiges über die Qualität des Films und ihre Rolle im Allgemeinen aus, wenn das das einzig Erwähnenswerte zu ihrer Figur ist.
Ach ja, noch ein Qualitätsmerkmal, wenn man es so nennen kann: Enrique Iglesias spielt eine superwichtige Nebenrolle, yippieh.
Der einzige, der interessant spielt, ist Mickey Rourke, der irgendwie tuntig wirkt, aber es hat seinen Charme.

Der Inszenierung fehlt es – sogar für einen Rodriguez-Film extrem – an einer erzählerischen Konsistenz: Die Handlung ist wirr, explodiert urplötzlich und endet äußerst abrupt.
Die Seiten werden nie so richtig geklärt, zumindest wird kein richtiger Gegenspieler für den durch Abwesenheit glänzenden Protagonisten etabliert. Und wenn man das Gefühl hat, es könnte einen Gegenspieler geben, der diesen Terminus auch verdient, so wird – oh Wunder, oh Wunder - fast schon wie gehabt in einem Rodriguez-Film dieser gleich abgemurkst. Schlecht zu sehen, dass man sich doch noch auf einiges verlassen kann.
Das Ende hat einen Anti-Climax nach dem anderen, um dann völlig unmotiviert und überfrachtet zu enden.

Und Mexiko? Das Mexiko wie es nie existiert hat, schäbig und wie ein Dorf wird es dargestellt. Satirische Hiebe auf Bananenrepubliken wirken irgendwie deplaziert und man fragt sich, wieso gestandene mexikanische Schauspieler bei so einem Humbug mitmachen.
Ach ja, da der Film ja sowieso zu großen Teilen in Mexiko spielt und alle Personen anscheinend spanisch verstehen, wieso wird der Film zweisprachig synchronisiert? Um ihm mehr Authentizität zu verleihen? Ist es eine Spielerei Rodriguez, der damit zeigen will, dass er auch Polit-Thriller-Märchen drehen kann? Nun ja …

Auch die Inszenierung der Gewaltorgien ist ein riesiger Rückschritt im Vergleich zu Rodriguez’ früheren Werken: Unübersichtliche, wirre Schnitte und Einstellungen stören den nicht vorhandenen Aufbau der Geschichte.
Da ist mir Desperado auf jeden Fall lieber und sogar El Mariachi hat mehr zu bieten gehabt. Man könnte sagen: Absichtlich cartoonesque überzeichnet, aber selbst das würde einige weitere Fragen aufwerfen: Warum dann ist die Inszenierung so schwer und ohne jeglichen Humor. Selbst der „Humor“ ist lasch und unbeholfen. Überzeichnung an einigen wenigen Stellen reicht nicht wirklich aus, um wirklich spritzig rüberzukommen. Auch einige sehr blutige Szenen – wieder einmal als Huldigung des Italowesterngenres – wirken zu sehr aufgesetzt und unnötig brutal, im Gegensatz zu obigem Genre, wo (zumindest in den Highlights von Leone, Corbucci oder Solima) all das noch sehr gut ins Bild passte.

Gerne hätte ich den Film gemocht, aber Rodriguez macht all das zunichte, was er noch nie konnte, aber immer wieder ansatzweise andeutete, dass er es zumindest schablonenhaft kopieren kann. Tja, irgendwann sind halt natürliche Grenzen erreicht, egal ob jemals überhaupt ein Niveau erreicht wurde, hier zumindest nicht. Da es keine niedrigere Wertung gibt, bekommt dieser Film den vollen und völlig und sauer verdienten

1 Punkt

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