Review

1992 drehte der Mexikaner Robert Rodriguez für nur 7000 Dollar sein Spielfilmdebüt „El Mariachi“. Rodriguez’ Kumpel Carlos Gallardo spielt darin den namenlosen Gitarrenspieler, der seinen Gitarrenkoffer voller Waffen immer mit sich herumschleppt wie einst „Django“ seinen Sarg. Columbia Tristar kaufte die Rechte an dem Film und so wurde „El Mariachi“ der billigste Film, der jemals von einem Major-Studio vertrieben wurde.
In dem Zwitter aus Fortsetzung und Remake, „Desperado“, von 1995 spielte Gallardo nur noch eine Nebenrolle und der wesentlich publikumswirksamere Antonio Banderas durfte den Mariachi geben.
Nun steht der letzte Teil der Mariachi-Trilogie ins Haus und diesmal mit einer sehr viel komplexeren Geschichte als seine Vorgänger.

Der Drogenbaron Barillo (Willem Dafoe) will den mexikanischen Präsidenten stürzen. Dabei wird er unterstützt von dem skrupellosen General Marquez, der einst die Frau des Mariachi tötete. Der korrupte CIA-Agent Sands (Johnny Depp) hat Marquez ebenfalls auf seiner Abschussliste und sichert sich die Mitarbeit des ehemaligen FBI-Mannes Jorge Ramirez (Rubén Blades). Dessen Partner wurde früher von Barillo gefoltert und getötet, also lässt er sich überreden mitzumachen. Auch der Mariachi will Sands unterstützen, kann er so doch endlich Rache für den Tot Carolinas nehmen.
Sands ist allerdings bereits ins Visier von Special Agent Ajedrez (Eva Mendes) geraten, die sich jedoch als Tochter des Drogenbarons entpuppt.
Der Mariachi trommelt seine alten Kollegen Lorenzo (Enrique Iglesias) und Fideo (Marco Leonardi) zusammen und während die Revolution losbricht, machen die drei Barillo und seinen Schergen richtig Feuer unterm Arsch.

Irgendwie hat Robert Rodriguez jetzt zum dritten Mal denselben Film gedreht. Diesmal wird das Ganze nur unter einem Berg von Subplots begraben, die er am Ende mehr locker als logisch verknüpft. Nach einer etwas verwirrenden Anfangsphase hat man sich recht schnell orientiert und kann die Protagonisten ganz gut einordnen, allerdings bleiben häufig deren Motivationen verborgen. Das Schlimmste ist jedoch: Es ist egal! Die vielen Subplots wirken aufgesetzt und viele der Charaktere sind schlicht überflüssig. Mickey Rourke, der Billy Chambers spielt, einen Verbrecher, der für Barillo arbeitet, wird total verschenkt. Allgemein wird viel zu viel intrigiert, jeder betrügt jeden und am Ende löst sich das Alles einfach in Luft auf.
Rodriguez hätte sich auch mehr Zeit nehmen sollen seinen Charakteren Konturen zu verpassen. Die Frauen im Film, Salma Hayek und Eva Mendes („2 Fast 2 Furious“) sehen beide scharf aus, haben aber sonst nichts zu tun. Salma Hayek spielt die tote Frau des Mariachi und taucht nur noch in seinen Träumen auf. Auch Banderas selbst ist diesmal ein recht kleiner Part beschieden. Eigentlich sieht man ihn auch nur in zwei Posen: Entweder er klimpert melancholisch auf der Gitarre oder er posiert cool mit Knarre. Willem Dafoe sieht als Mexikaner geschminkt doch recht merkwürdig aus, macht seinen Job aber sehr ordentlich, auch wenn die Rolle alles andere als groß ist. Gleiches gilt auch für Rubén Blades („Predator 2“), Danny Trejo („From Dusk Till Dawn“) und Cheech Marin („Cheech & Chong“). Schnulzensänger Enrique Iglesias nervt zum Glück nicht so sehr wie erwartet, aber als er anfängt zu singen, vergeht einem doch einiges. Der zweite Aushilfs-Mariachi im Bunde wird von Marco Leonardi („From Dusk Till Dawn 3“) gespielt, der sich teilweise recht unbeholfen durch die Geschichte bewegt. Die eigentliche Hauptattraktion des Films ist mal wieder Johnny Depp, dessen Rolle der des Captain Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“ gar nicht so unähnlich ist: Sich für das Zentrum des Universums haltend stolziert der gockelhaft durch die Straßen Mexikos und offenbart so manche skurrilen Macken und Gebräuche.

Die Shootouts sind qualitativ in Ordnung. Rodriguez inszeniert, als wolle er sich jede Einstellung zu Hause an die Wand hängen. Ähnlich wie bei den „Blade“-Filmen ist Posing das allerwichtigste der Actionsequenzen. Allerdings hätten es ruhig ein paar mehr Schießereien sein dürfen, dann wären aber wahrscheinlich Charaktere und Story total untergegangen.
Spaß macht der Film trotzdem, denn es wird wieder jede Menge schwarzen Humors geboten und dass man „Irgendwann in Mexiko“ nicht eine Sekunde lang ernst nehmen sollte, versteht sich praktisch von selbst.
Ein zweiter „Desperado“ ist Rodriguez hier nicht geglückt, aber man fühlt sich 100 Minuten lang gut unterhalten bei dieser durchstilisierten Gewalt-Oper. Actionfans sollten definitiv einen Blick riskieren und für Fans der Vorgänger ist der Kinobesuch sowieso Pflicht; auch wenn sich der oder andere durch die zahlreichen Nebenhandlungen gestört fühlen mag. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen...
8/10

Details
Ähnliche Filme