Kaum zu glauben, aber SAW-Schreiber Leigh Whannell hat nach seinem Regiedebut INSIDIOUS 3 einen richtig guten, (halbwegs) eigenständigen B-Film gedreht.
Für gewöhnlich hängen sich kostengünstig produzierte Genrereißer mit ähnlichem Plot ja an die Veröffentlichung von Blockbustern. Hier läuft es etwas anders: Nur wenige Monate vor dem Start des ersten „bösen“ Marvel-Films VENOM kam UPGRADE in die US-Kinos, ein Film, in dem ein im Grunde sanftmütiger Mann Zwiegespräche mit einem fremden Wesen führt, das nach und nach die Macht über seinen Körper übernimmt – und beginnt, Gangster zu töten. Vielleicht ist es ein Zufall, auch wenn selbst der Look beider Hauptdarsteller verblüffend ähnlich ist.
So böse, blutig und brutal wie UPGRADE wird das neue Marvel-Abenteuer jedoch mit Sicherheit nicht. Denn Whannell nutzt die Freiheiten der Blumhouse Produktion voll aus: Die Fights sind hart und durch die einfallsreiche Kameraarbeit extrem frisch, ein paar handgemachte Goreszenen, die etwas weiter gehen als im Mainstream üblich, sorgen für überraschende WTF-Momente und die Selbstgespräche des anfangs reichlich überforderten Grey mit seiner inneren Stimme Stem setzen einen angenehm schwarzhumorigen Kontrast zur gezeigten Gewalt. Die Darsteller sind überzeugend, die Story ist straight und vermag am Ende womöglich sogar die überraschen, die schon lange gewusst haben, in welche Richtung es geht.
UPGRADE ist kein herausragend intelligenter Film, aber er ist clever. Er kennt sein Spielfeld und tobt sich darauf aus. Er zeigt seine Liebe zum Genre, zitiert subtilere Vorbilder wie FRANKENSTEIN und offensichtlichere wie ROBOCOP, folgt zwar im Grunde der stupiden Rachegeschichte eines DEATH WISH, erweitert diese jedoch um etwas cronenbergschen Body Horror à la EXISTENZ mit Waffenimplantaten, die zugleich albern und furchteinflößend wirken, und um eine düstere Zukunftvision von Künstlicher Intelligenz, die bei näherer Betrachtung gar nicht so weit entfernt zu sein scheint.