Review

Brutale alte Welt

"Upgrade" ist eine echte Wohltat. Retro, ohne sich zu sehr an die Nostalgie zu klammern, oldschool, ohne seine modernen Attribute oder sein Tempo zu vernachlässigen, cool, ohne es wirklich zu wissen oder zu sehr zu betonen. "Upgrade" war ein Actionhighlight 2018 und ein wahnsinniger Geheimtipp. Warum er in Deutschland bzw. Europa kaum aus den Puschen kommt bzw. der Verleih weder Kinostart noch Heimkinoveröffentlichung oder Streamingdeal forciert, bleibt ein Rätsel. "Upgrade" ist ein Ass auf den Händen aller Beteiligten und sollte nicht verkümmern, muss ausgespielt werden...

Es geht um den Tüftler Grey Trace (stark, glaubhaft und emotional verkörpert von dem immer noch völlig unterschätzten Logan Marshall-Green aka Tom Hardy-light), der in einer futuristischen Welt voller Vernetzung, künstlichen Intelligenzen und fortschrittlicher Technik etwas altmodisch und fehl am Platz wirkt. Doch als bei einem Überfall seine Frau getötet wird und er im Rollstuhl landet, verhilft ihm ein experimenteller Chip namens "Stem" an seiner Wirbelsäule zu neuem Leben und zur Kraft, seine Rache nicht nur zu planen sondern auch umzusetzen... Hätte diese hypermoderne K.I. nicht ihr eigenes Bewusstsein und vielleicht sogar Pläne...

Als Fan von Actionfilmen der älteren Schule (obwohl die Einflüsse bis in die späten 90er zu "The Matrix" gehen), kann man "Upgrade" nur lieben. Ein brutaler Kracher voller schöner Details, cooler Ideen und komplett ohne Langeweile. 100 gut investierte Minuten, dafür lege ich für jeden Genrefan meine Hand ins Feuer. In den Arm eingebaute Kanonen (Tetsuo lässt grüßen!)?! Eine glaubhafte Welt voller A.I., Dronen und selbstfahrenden Autos? Eine entfesselte Kamera während heftiger Kampfchoreographien? Punktierter Humor an den richtigen Stellen? Glaubhafte und sinnergebende Wendungen? Eine düstere Grundstimmung? Alles an Bord. Das Paket passt und ist intensiv verschnürt.

Leigh Wahnnell hat mit dieser zweiten Regiearbeit (nach seinem "Insidious 3") endgültig zu sich selbst gefunden und uns einen grundsympathischen Adrenalintrip beschert, der unaufdringlich mahnt, pausenlos unterhält und vieles erbarmungslos wegfetzt. Sicher ist er nicht perfekt, viele Figuren bleiben flach, die Geschichte ist super simpel und im Grunde dann doch limitiert ambitioniert - doch insgesamt wird das beschränkte Budget extrem gut genutzt und in einige Highlights gesteckt, die man als Filmfan nicht missen will. Das hat etwas von Carpenter + Verhoeven + Cronenberg vermixt und in ihrer Blüte. Kein Scheiss.

Fazit: in einer Liga mit "Robocop", "Terminator" oder "Hardcore". "Venom" in gut und cool und hart. Ein zukünftiger Kult-Actioner, dessen Art eigentlich ausgestorben ist. "Upgrade" ist die erleichternde Ausnahme zu dieser ernüchternden Regel. Hart, stylisch, schlockig, temporeich und nicht zu weit weg von unserer momentanen Welt. Wie eine "Black Mirror"-Folge auf Speed und ohne Altersbeschränkung. "Upgrade" rockt!

Details
Ähnliche Filme