kurz angerissen*
"Upgrade" bietet einen recht ungewöhnlichen Spagat zwischen einfach gestricktem Genre-Kino und ambitionierten Überlegungen zum Thema Mensch-Maschine. Zu diesem Zweck baut er auf eine nahe, mit den Händen fast schon greifbare Zukunft, ohne das Visier jedoch vollständig zu öffnen; man blickt immer gerade so weit in die Ferne, wie das Drehbuch es unbedingt für nötig hält. Wie es sich eben auch für eine kleine Produktion gehört, die weiß, wo ihre Grenzen liegen. Die Anzahl der Charaktere ist überschaubar, zudem werden sie nur stückweise in die Handlung eingeschleust. Die Stimmung ist dunkel genug, dass man sie wie mit der Taschenlampe durchstreift, und so klinisch, dass man sich in ihr reflektiert. Die Regie ist kontrolliert und hat immer ein Ziel vor Augen, unnötige Subplots existieren nicht. Man ist immer nah bei der Hauptfigur und entdeckt mit ihr zusammen nach und nach die Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz. Diese wiederum sorgt für das Alleinstellungsmerkmal und Verkaufsargument des Films: Actionszenen von beinahe slapstickhafter Anmut nämlich, die einen meist grotesken Ausgang nehmen. Geboten werden Kombinationen aus Verfolgungsjagden und Zweikämpfen, die dadurch hervorstechen, dass der Kämpfer keine Kontrolle über seinen Körper hat, sondern mit Erstaunen, manchmal sogar Entsetzen als Beobachter seiner eigenen Bewegungen auftritt. Die Präsentation der dargebotenen Choreografien sticht deutlich aus der Masse; trotzdem wird ihr Einsatz nicht überstrapaziert, sondern sparsam und effizient genutzt. Wer den Trailer gesehen hat, kennt bereits fast alle Finisher. Wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn sich vielleicht sparen.
Eine solche Mixtur ist in der aktuellen Kinolandschaft ohne echten Vergleichswert. Leigh Wannell bietet tatsächlich ein sehr spezielles Seherlebnis, für das man schon Jahre in die Vergangenheit reisen muss, um es zu kategorisieren. Grundsätzlich ist das etwas sehr Gutes. Man neigt zwar in diesem Fall dazu, weder Fisch noch Fleisch zu schmecken - zu nährstoffarm für den intellektuellen Diskurs, zu wenig Fleisch auf den Knochen für eine satte Sause mit richtigem Krawall. Aber auf seine eigene Art ist "Upgrade" doch genau das kinetische, schnörkellose SciFi-Actionkino, das man sich immer wünscht, wenn mal wieder irgendwo zu viel geredet wird.
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