Nachdem man im Jahre 1977 mit "Exorzist 2 - Der Ketzer" einen der absoluten Flops der Filmgeschichte brachte, hat man sich nun 13 Jahre später doch noch einmal an eine Fortsetzung gewagt. Die Voraussetzungen waren gut. Ist doch der kreative Kopf, der hinter dem genialen Exorzisten-Roman und dem Drehbuch zum "erschreckendsten Film aller Zeiten" steckt, wieder mit von der Partie und führt auch noch Regie: William Peter Blatty! Leider ist aber unterm Strich trotzdem nicht mehr rausgekommen als ein leicht überdurchschnittlicher Grusler! Aber immerhin!
Die Story selbst ist ziemlich clever gestrickt und lässt an den ersten Teil erinnern, auch wenn eigentlich nur der mysteriöse Patient X (der verdächtig an Damien Karras erinnert), Lieutenant Kinderman und die "Besessenheit durch einen Dämon" übernommen worden. Blatty, der sein spätes Sequel nach seinem Roman "Legion" gestaltete, hat wieder selbst das Drehbuch geschrieben. Und das merkt man deutlich! Wesentlich gehaltvoller und wesentlich fehlerloser, als die Geschichte des Vorgängers, überzeugt zumindest die Story nahezu 100%.
Viele unheimliche Stilmittel, lassen eine unheimliche Atmosphäre aufkommen und einem zudem ständig an den Fingernägeln knabbern. Sein es die üblichen Mittel, wie Blitz, Donner, Regen, Licht und Dunkelheit, aber auch wieder die dämonischen Stimmen und grässlichen Fratzen des besessenen Patient X. Alles ist für kalte Schauer auf dem Rücken geradezu geschaffen!
Leider aber hat man auch einen riesigen Fehler begangen! Und zwar was das Tempo anbelangt. Wie schon bei den Vorgängern hat man sich bemüht ein ruhiges Tempo vorzugeben. So gesehen ist das auch eine fabelhafte Idee, "das Grauen" langsam und schleichend ankommen zu lassen, doch hat man hier das Gefühl, wie langsam ein Film voran gehen kann, wohl nicht gehabt. Denn alles läuft, zumindest für meine Begriffe, etwas zu langsam ab. An vielen Stellen zieht sich der Film daher wie Kaugummi in die Länge und kommt nicht so recht vom Fleck.
Des Weiteren ist mir der Film auch ne Spur ZU ruhig! Das heißt jetzt nicht dass mehr Action in den Film gehört, UM GOTTES WILLEN, aber viele Szenen (vor allem in der Mitte des Films) bestehen nur aus Stille und leisen Dialogen. Keine Hintergrundgeräusche, keine Musik, nichts! Auch hier hätte (nur ein wenig) mehr, dem Ganzen gut getan!
Und auch die Darstellerleistungen sind leider wenig überzeugend. Jason Miller als Patient X macht da seine Rolle noch am besten. George C. Scott dagegen merkt man aber schon deutliche Alterserscheinungen an und dadurch bremst vor allem er, das Tempo des Films noch einmal zusätzlich aus. Lee J. Cobb, der geniale Kinderman aus dem ersten Teil, hätte mir da wesentlich besser gefallen!
Aber auch noch was positives: Das Finale dagegen überzeugt wieder in allen Punkten! Wenn das Grauen da ist, geht es dann noch einmal richtig zur Sache. Der richtige Schluss, für solch einen (etwas zu) stillen, (etwas zu) langsamen, aber atmosphärischen Film!
Fazit: Spannender, atmosphärisch dichter und intelligenter Dämonen-Film, der durch eine gute Story überzeugt und durch großartige Ideen gefällt. Dabei aber durch ein, selbst für einen Exorzisten-Film, zu langsames Tempo und all zu stillen Szenen, aber auch teils mächtig langatmig wird und durch schlechte Darstellerleistungen auch wieder viel verliert. Schade!
Nett, aber weit entfernt vom höchst genialen Original!
Wertung: 6/10