Review

Eine Sozialsatire ist immer ein künstlerisch galanter Weg, um auf Missstände im eigenen Land aufmerksam zu machen und mit der Grundidee liegt Autor und Regisseur Guto Parente auch gar nicht mal so falsch. Jedoch hätte die Umsetzung als Theateraufführung womöglich besser funktioniert.

Otavio und Gilda leben in einer Finca nahe am Strand und zählen zu den Reichen des Landes, die ihre Bediensteten regelmäßig zum Fressen gern haben, wenn sie sich nicht in einem elitären Club mit Gleichgesinnten treffen. Doch dann wird Gilda Zeugin des Geheimnisses eines anderen Clubmitglieds, woraufhin das Paar zur Zielscheibe wird…

Reich frisst Arm, - damit lässt sich die metaphorische Intention kurz und knapp umschreiben, da die Schere zwischen Armut und Reichtum in Brasilien weit auseinanderklafft. Gleichermaßen gibt es einige Anspielungen auf erhöhte Kriminalität, einen unfähigen Polizeiapparat und die hohe Arbeitslosenquote.
All dies böte Stoff für eine makabere, aberwitzige Horrorkomödie, geliefert wird stattdessen ein kammerspielartiger Krimi mit Softporno-Einlagen.

Mal davon abgesehen, dass ein Großteil der Handlung auf recht begrenztem Raum mit eigentlich nur zwei Hauptfiguren stattfindet, wird das Thema des Kannibalismus allenfalls gestreift. Als gleich zu Beginn einem Bediensteten während des Fremdgehens ein blutiger Höhepunkt beschert wird, landen kurz darauf halbrohe Filetstreifen auf dem Teller, - alles dazwischen wird ausgeklammert. Der titelgebende Club wird zwischenzeitlich von zehn Anzugträgern am runden Tisch repräsentiert, die quasi ein fertig zubereitetes Paar verspeisen, welches zuvor noch an Ketten einen freizügigen Akt vollführte. Mit nackter Haut hat man hier deutlich weniger Probleme als mit expliziten Schlachtszenen.

Obgleich zwischenzeitlich nicht zimperlich vorgegangen wird, denn Äxte landen in Hinterkopf, Rücken und Oberkörper, es gibt Kopfschüsse und einen Kehlenschnitt.
Einige Ableben finden indes hinter verschlossenen Türen statt, manche Einzelschicksale werden erst gar nicht weiter verfolgt. Wobei, - ein Sympathieträger findet sich hier ohnehin nicht, wodurch sich einige geschwätzig ausfallende Passagen nur noch negativer auswirken.

Denn mit einem ordentlichen Erzählfluss hat Parente nicht viel am Hut, aber auch potenzielle Situationskomik fehlt nahezu komplett. Dafür nimmt sich der Stoff und seine Figuren grundlegend zu ernst, welche ausschließlich mit oberflächlichen Aussagen hantieren, anstatt hier und da kleine Spitzfindigkeiten einfließen zu lassen.
Durch die grundlegend nüchterne Haltung muten einige Begebenheiten ein wenig boshaft an, ein Schmunzeln oder mehr wird allerdings nicht erzeugt.

Entsprechend dümpelt der Stoff lange Zeit ereignisarm vor sich hin, über weite Teile fühlt er sich wie ein Schmalspurkrimi mit nackten Oetkereien an, während kulinarische Obszönitäten weitgehend ausgeklammert werden und den Mimen nicht mehr einfällt, als mit überzogenen Mimiken an oben erwähnte Theateraufführung zu erinnern.
Nett gedacht, lahm umgesetzt.
Knapp
4 von 10

Details
Ähnliche Filme