Seit 2006 schreibt Sebastian Fitzek Psychothriller, welche allesamt in den Bestsellerlisten landeten. Entsprechende Filmrechte wurden früh gesichert, doch erst 2012 erschien die erste Verfilmung „Das Kind“, der weitgehend vernichtende Kritiken erhielt. Und auch die vorliegende RTL-Produktion dürfte bei Kennern der Romanvorlage nicht sonderlich gut wegkommen.
Der erfolglose Autor Max (Torben Liebrecht) erhält eines Tages einen anonymen Anruf, dass seine zwölfjährige Pflegetochter Jola (Lina Hüesker) in Gefahr sei. Kurz darauf muss diese ins Krankenhaus eingeliefert werden, woraufhin die Polizei alarmiert wird und Max ins Fadenkreuz von Missbrauchsverdächtigungen rückt. Recherchen führen ihn zu einer Organisation, die via Digitalüberwachung an einer genauen Vorhersage von Verbrechen arbeitet. Doch Max macht ihnen einen Strich durch die Berechnungen…
„Minority Report“ lässt schön grüßen in dieser TV-Verfilmung des Regisseurs Jochen Alexander Freydank. Themen wie Überwachung, Datenklau und digitale Manipulation zeugen von zeitgenössischer Brisanz und sind eigentlich das Kernthema der Erzählung, - nur leider geht man im Verlauf nur allzu selten darauf ein und konzentriert sich stattdessen auf eine Schnitzeljagd, die so wirkt, als hätte man den Roman einmal durch den Fleischwolf gedreht.
Um Licht ins Dunkel zu bringen, klappert Max eine Station nach der anderen ab, wobei die Locations gut gewählt sind und ab und an für Atmosphäre sorgen. Nur ist es mit der Logik rasch dahin, wenn eine völlig fremde Person (Inez Bjørg David) binnen weniger Augenblicke ein Stockholm-Syndrom entwickelt, ein entführtes Kleinkind anstatt zu quengeln zum Dauerschlaf übergeht und eine Kapuze ausreicht, um plötzlich nicht mehr von den unzähligen Überwachungskameras erfasst zu werden. Tempo ist zwar drin, doch viel Sinn ergeben einige Situationen nicht.
Da nutzen auch die kurzen Auftritte eines gut gelaunten Armin Rohde als Anwalt nicht mehr viel, der zumindest einen Lichtblick innerhalb des insgesamt eher unmotivierten Darstellerensembles bietet.
Liebrecht läuft zwar viel und schnell, doch über zwei Gesichtsausdrücke kommt er kaum hinaus und auch Bjørg David performt normalerweise deutlich präsenter. Besser ist da Max Hopp als dubioser Bruder Cosmo, dessen Figur allerdings eklatant von der im Roman abweicht.
In 109 Minuten kommen viele Ungereimtheiten zusammen und obgleich einige Wendungen ein passables Timing aufweisen, kommt der Stoff nie über Spannung auf Sparflamme hinaus.
Eine Ansammlung von Oberflächlichkeiten und einigen Klischees, - handwerklich okay, inhaltlich oft mehr als holprig.
4 von 10