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Unglücksrabe Lee Kai Shing [ Nick Cheung ] hat nur Pleiten, Pech und Pannen im Leben und würde am liebsten 2x im Monat vom Dach springen. Wenn er nicht auch dabei scheitern würde. Nur schwer verletzt kommt er ins Krankenhaus, wo er in der süssen Krankenschwester Summer [ Mango Wong ] zum ersten Mal Hoffnung findet. Über sie lernt er auch ihren Bruder Spring [ Stephen Fung ] kennen, der den Pechvogel unter seine Fittiche nimmt und an den Spieltisch schleppt, um mit einer Strategie seinen Gegenüber Brother 9 [ Philip Keung ] abzuzocken. Dieser steht aber gar nicht darauf und setzt die verführerische Miss Sauna [ Monica Lo ] auf den durch rapiden Erfolg wie umgewandelten Lee und seine Schergen auf Spring an...

Auf der Suche nach gewinnträchtigen Erfolgsmodellen ist Wong Jing Ende der 90er wieder bei sich selber fündig geworden und hat mit dem Conman [ 1998 ] eine Franchise – Figur und damit auch Reihe wie ein Jahrzehnt zuvor beim God of Gamblers erschaffen wollen. Dieser Plan ging sicherlich nicht so exakt auf wie vorgestellt, selbst die Trittbrettfahrer liessen auf sich warten und kamen nur sehr vereinzelt und zusätzlich sehr lasch zum Vorschein [ A Gambler‘s Story, Fate Fighter, Teenage Gambler ].
Dennoch brachte man es durch die vorangestellte Popularität von Andy Lau zumindest zu einem anständigen Start und weitete die Saga durch Conmen in Vegas [ 1999 ] noch extremer aus. Nachdem man die Gegend mit Conman in Tokyo [ 2000 ] ebenfalls progressiv erkundigt hat, stellte sich dort auch die einzig feste Verbindung der Serie dar: Neben Macher Wong Jing war es Nick Cheung, der an allen bisherigen Folgen beteiligt sein sollte und auch für Conman 2002 wieder erweckt wurde.

Ansonsten sind die jeweiligen Verkettungen untereinander nämlich arg dünn; man baut eben nicht aufeinander auf, sondern stellt weitgehend abgeschottete Episoden ohne wirkliche Liierung in den Raum.
Bei der God of Gamblers – Serie konnte man zumindest noch hier und da verschiedene Anschlüsse und Assoziationen bemerken, die die Filme mit „Sequels“, „Prequels“ und „Spinoffs“ markieren liess. Obwohl auch dort die genaue Zuordnung strittig ist, kann man sich wenigstens auf einige Grundlagen einigen, aber bei Conman ist wirklich nur der Titel Programm.

Hierbei scheint es nicht mal das zu sein; bekommt man doch anfangs alles anderes als ein Gambling – Movie geboten; nach dem Prolog ist man auch nicht ganz sicher, ob man sich darüber freuen soll oder nicht. Die Antwort ist eher verneinend; zwar wird man nicht von Beginn an an einen Spieltisch gesetzt und darf den Akteuren nur beim Pokern / Mahjong / Würfeln etc. zuschauen und sollte eigentlich froh darüber sein, dass dieser Überschwang an Spielszenen hierbei zurückgenommen wird. Allerdings bekommt man keinen adäquaten Ersatz dafür, sondern nur die Einleitung eines Versagers, der durch ständiges Pech im Leben damit abgeschlossen hat und nur noch sterben will.
Wie lustig !?

Die erste Viertelstunde mag vielleicht in der Art der Einführung der Personen manche gute Schnittstellen für Nachfolgendes erschaffen – in erzählten Rückblenden werden später wieder Auftretende als Umfeld von Lee angerissen, während in der erzählenden Gegenwart ebenfalls einige vorgestellt werden - , aber stellt sich ansonsten als verqueres Drama heraus. Welches mit 1, 2 Witzen nicht vermeiden kann, dass man am Ende der Eröffnung durchaus nachvollziehen kann, warum Lee sterben will.
Wer will schon allen Menschen statt Gutes zu tun denen nur selber Unglück bringen, dadurch diejenigen verlieren die man liebt und ansonsten auch nur Missgeschicke und Schmerzen ertragen ?
Und was für ein Aufhänger für einen Unterhaltungsfilm ist das überhaupt ?

Bei Kuei Chi Hungs Hex VS Witchcraft stand ebenfalls ein Loser im Mittelpunkt, der über Missgeschicke nicht hinaus kam und selbst zu tollpatschig war sich umzubringen, aber dort wurde es mehr mit verdutztem Blick und comigalem Stoismus [ = Staub Abklopfen und Weitermachen ] registriert. Hierbei wird in Selbstmitleid geradezu gebadet; Lee kommt bei seinen Monologen und Dialogen nicht über „Ich habe immer Pech“ und „Ich bin verflucht“ hinaus und tränkt das ganze Setting in eine Mixtur aus Erbarmen, Gnade und Depression.
Nachdem Lee bei seinem ersten Date glaubt, dass seine verspätete Krankenschwester von einem Maniac vor die Strassenbahn geschubst wurde; dass sich zwar als Irrtum herausstellt, aber er am Ende des Tages nicht nur wieder Geld verloren hat, sondern auch mit blutverschmiertem Gesicht dasteht, ist das Humorpotential auch erstmal ausgeschöpft und man kann sich anderen Dingen widmen.

Erlösung und Kehrtwendung im Plot bringt Brother Spring, der auch tatsächlich am Spieltisch sitzt und nach dem Abzocken seines Konkurrenten sogar die erste Martial Arts Szene aufbringt. Beides gehört zu den Sachen, die man angesichts des Sujets erwartet und auch erwarten darf; leider kommen derlei Bestandteile hier nur sehr zögerlich und in breiten Abständen zum Zuge. Viel zu selten, um alleine das Steuer herumzureißen, aber Beschweren tut man sich hier schon lange nicht mehr. Auch nicht darüber, dass man von der Abwicklung derartiger Sequenzen neben einer weitaus höheren Frequenz sonst eigentlich auch einen besseren Standard gewohnt ist. Zumindest von Wong Jing selber; da dieser hierbei wie öfters in diesen Jahren aber nur seinen Fronarbeiter Aman Cheung Min auf den Regiestuhl gesetzt hat, ist die Messlatte notgedrungen niedriger und das Budget anscheinend auch sehr knapp bemessen.
Vermeidet schon die Optik jeden Anflug von Schönheit ergeht man sich dann nicht nur visuell, sondern auch dramaturgisch den Gewohnheiten und Vorbildern des Fernsehens, zu dem man sogar inhaltlich noch Bezüge aufweist.
Eine Pointe zieht auf die medialen Nebenvertreter Healing Hands, My Date with a Vampire und Meteor Garden [ alles erfolgreiche asiatische TV – Serien ] ebenso ab wie auf die Fernsehsender TVB und ATV; unnötig zu sagen, dass man mit solchen Relationen hierzulande keinen Lacher erzielt. Zumal keine Parodie eines konkreten Werkes oder Demontage einer bestimmten Geschichte erfolgt, sondern nur die blosse Erwähnung der Titel.

Andere Motive sind dann schon populärer, aber teilweise recht veraltet und stehen nicht nur deswegen aussen vor; sondern auch durch die Tatsache, dass sie nur als Art Metapher heran- und einer Stilrezeption unterzogen werden: Beckham [ von Nick Cheung dermassen ausstaffiert gespielt ] trifft ins Tor und Baggio [ ebenfalls Cheung ] eben nicht; wobei die letztere Szene mit einem acht Jahre zurückliegenden Vorfall schon sehr weit in die Erinnerung greift und abgesehen von der Kostümierung und der bildlichen Darstellung eines Erfolg bzw Misserfolges keinerlei Nutzwert hat.

Im Finale ist die Einbindung ähnlich wie im originalen Conman und damit auch gelungener: Über eine Mehrfachwette wird eben auch auf das Fussball WM Endspiel gesetzt und es dort ebenfalls mit Tricks, Finten und der Vortäuschung von Tatsachen [ Bilder aus der „Umkleidekabine“ ] versucht. Hierbei sind die Twists zwar ganz gelungen, aber schon lange weitab vom eigentlichen Interesse. Mittlerweile weiss man nämlich, dass man keinerlei Erwartungshaltungen an das Werk mehr haben darf; die Hoffnung darauf – begründet durch die Vorgänger - ist ebenso wie das ursprüngliche Unterhaltungstalent von Wong Jing schon lange ausgezerrt. Und mit mehr Pfund kann weder Film noch sein Macher wuchern.

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