Entzug der Liebe
Die sozialen Themen gehen Netflix nicht aus,
aus seiner gesellschaftlichen Verantwortung redet man sich beim großen N nie heraus.
"6 Balloons" ist ein Drogendrama über geschwisterliche Liebe und dessen Verbrauch,
Dave Franco ist hier mal endlich mehr als ein wunderhübscher Lauch.
Eine Schwester, ihr Kleinkind und ihr Bruder im Rückfall,
emotionale Kaliber wie dieses haben meist eine kleine Stückzahl.
Alles wirkt authentisch und manchmal schmerzhaft echt,
wenn Franco sich vor Schmerzen krümmt, merkt man das vom Zeh bis ins Gemächt.
Ein Junkie und doch liebender Onkel und Bruder,
sein Problem hat Gewicht, ist kein klischeehaftes Luder.
Zwischen Verzweiflung, Angst, Freude und Liebe,
verteilt Naturs Instinkt immer wieder schmerzhaft Hiebe.
Drogenopfer kämpfen mit dem Ertrinken,
selten sah man solch Glück, doch daneben den Sensenmann winken.
Nie prätentiös oder predigend, nie dreist oder das Baby ausnutzend,
von dieser Art Entzug gibt es filmisch kein Dutzend.
Der kurze Trip bleibt privat, intim und persönlich,
das Ende ist ehrlich und wenig versöhnlich.
Schön wären ein paar Minuten mehr, Hintergrund oder klärende Worte,
zudem ein Voice Over, nicht ganz so aus der Retorte.
Der emotionale Kern setzt sich trotzdem fest und hinterlässt Spuren,
vielleicht ersetzt das Drama ja ein paar Rückfälle oder Kuren.
Zumindest lässt er Verständnis für geduldige Angehörige wachsen,
begibt sich auf direktem Weg dorthin, macht keine unnötigen Faxen.
Fazit: der junge Franco darf sich endlich mal als echter Schauspieler beweisen und das Thema wird durchaus um ein paar Akzente und emotionale Kinnhaken erweitert. Insgesamt wirkt das Ganze aber etwas unfertig und halbgar. Lohnenswert würde ich die 75 Minuten dennoch nennen.