Zuckerbrot und Peitsche
Sado und Maso müssen nicht immer peitschen und schlagen,
zu diesem Thema sollte man nur besser nicht die "Fifty Shades"-Macher fragen.
"Herrliche Zeiten" ist ein weiterer Hit des Jahres aus deutschen Landen,
einer dieser Filme, die nicht werden im Lauf der Zeit versanden.
Es geht ums Verwöhntwerden und die Fäulnis der Abhängigkeit,
dieser Trip bietet alles, nur kein sicheres Geleit.
Von der rheinischen Schnauze bis hin zum arabischen Protz-Prinzen,
danach will man erstmal seiner Liebsten simsen.
Ungewöhnlich exzentrisch und energisch und voll Feuer,
hier meint man nur, man wäre der Typ am Steuer.
Es dauert etwas, bis man sich an Inszenierung und Stil gewöhnt,
danach ist nicht nur Katja Riemann ganz neu geföhnt.
Was darf sich die herrschende Klasse erlauben?
Wer nicht hören will muss fühlen, oder sogar dran glauben.
Wann kehrt sich gemütlicher Luxus zu einem Fluch,
ab wann und wie schnell zählt man gesellschaftlich als Eunuch?
Wie gewohnt sind wir das Spiel der Unterdrückung?
Wieviel Grausamkeit bringt uns noch in Entzückung?
Vom Spiel der Dominanz, fast ganz ohne Sex oder Fesseln,
wie gerne sitzen wir doch alle paschamässig auf unseren Sesseln.
Es erinnert etwas an Klassiker wie "The Servant", voll fieser Wendungen und kleinen psychologischen Klapsen,
es versteckt sich eine Collage der Boshaftigkeiten und menschlichen Makeln hinter den spielerischen Faxen.
Am Ende weiß man kaum, was zu dieser Dreistigkeit zu sagen,
doch bei der Welt, in der wir leben, muss man danach weder fragen noch klagen.
Fazit: frech, intelligent, anders - eine feine Zeichnung von Arroganz und Unterwerfung, Reichtum und Verfall, Abhängigkeit und Verführung, Unmenschlichkeit und Menschlichkeit. Der deutsche Film dominiert dieses Jahr!