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Renommierte Hollywood-Stars treffen auf Euro-Cinema, und dieser Clash of Cultures vollzieht sich auf der Basis eines Mafia-Filmes; allerdings unternimmt der cineastische Bastard "Ginostra" ein schwer widersprüchliches "back to the roots" (i.e. Italien).

Die ausgeklügelte Story selbst ist bewußt mehrschichtig angelegt, der Handlungsverlauf anfangs schwer nachvollziehbar, denn die Charaktere und ihre Geschichte entwickeln sich nur langsam aus ihrer jeweiligen Ausgangskonstellation heraus.Dabei wechseln sich retardierende und forcierende Sequenzen fortwährend ab.

Die Besetzung selbst verdient das Prädikat "first class": Harvey Keitel scheint mit seiner Filmographie aus "Bad Lieutenant", "Good Fellas", und "Casino für seine Rolle geradezu prädestiniert; Andie MacDowell agiert endlich einmal wieder mit Substanz, anstatt sich in billigen Commercials zu verheizen; Harry Dean Stanton hat beunruhigend zurückhaltende, aber eindrückliche Auftritte zu verzeichnen; und auch Francesca Neri und Stefano Dionsi steuern mit ihrer jeweiligen Darstellungskunst zum Lokalkolorit bei. Warum ausgerechnet Asia Argento inmitten der mystisch aufgeladenen Kloster-Gemeinde die mit einem pikanten Detail beauftragte "schöne Nonne" als Nebendarstellerin geben muß, bleibt allerdings Geheimnis der Casting-Crew. Ebenso die Frage, wie es gelingen konnte, einen minderjährigen, unerfahrenen Protagonisten mit solcher Ausstrahlung, Coolness und mimischer Stärke zu verpflichten. Ein Volltreffer!

Überhaupt lebt dieser Film weniger von der Handlung als solcher, die gefährliche Untiefen und Drehbuchfallen aufweist, als von seiner dezidierten Stilistik und Optik. Die gewählten Einstellungen, Farben, Landschaftsaufnahmen und räumlichen Interieurs spielen einen wichtigen Part, der die oberflächliche Action in den Hintergrund drängt.

Über allem aber thronen die zunächst nur Kulisse, dann aber aktives Handlungselement selbst darstellenden, furiosen Aufnahmen eines ausbrechenden Vulkans (abgefilmt anläßlich des realen Ätna-Ausbruches). Was auf den ersten Blick wie aufgesetzte Symbolik wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gelungene Synthese von Außen- wie Innenansicht des insgesamt überaus komplexen Stoffes.

Es bleibt schwierig, eine angemesssene Bewertung zu vergeben, da "Ginostra" sehr genre-ungemäß daher kommt, viele Highlights, aber auch eklatante Schwächen besitzt. Zweifellos überdurchschnittlich sind mindestens 7/10 fällig, mit sehr viel Wohlwollen auch 7,5/10.

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