Review

Bei jeweils neu erscheinenden Produktionen und dies nun auch in schnöder oder doch schöner Regelmäßigkeit zu verzeichnen, ist es nahezu unmöglich, die Mitwirkung von Nicolas Cage dahingehend auszublenden, dass man nicht die einstige Karriere des ehemaligen Hollywoodstars vor sich hat und die (nun auch schon seit Jahren andauernde und so auch bleibende) 'Durststrecke' in DtV-Werken damit am Vergleichen ist. Die Abstinenz von Großproduktionen ist mittlerweile Usus und die Anwesenheit in den von vornherein als 'nieder' angesehenen Kleinwerken oftmals namenloser Regisseure und mit weithin unbekannten Cast ebensolches Gesetz. Die Gründe sind bekannt, der Arbeitseifer von Cage selber auch und gehört auch durchaus gewürdigt, zumal er anders als seine Kollegen wie der Willis oder Cusack noch seine Leistung einbringt und die meiste Zeit auch tatsächlich Hauptdarsteller ist.

Hier nun in der Verfilmung einer wahren Geschichte, eines kriminellen Ereignisses, dass Schlagzeilen gemacht haben soll, den meisten Zuschauern aber natürlich unbekannt von den Fakten und auch nicht als dokumentarische Bebilderung, sondern (hoffentlich) als Actionthriller mit viel Aktion und viel Thrill bebildert ist. Eine Pattsituation zwischen der Polizei auf der Seite des Gesetzes und ehemaligen Militär auf der Suche nach dem großen und v.a. auch dem schnellen Geld, mit viel Bleihagel und einigen Explosionen, so wie es sich für unbeschwerten Konsum gehört:

Afghanistan. Nachdem eine privat angeheuerte Schutztruppe von ihrem Auftraggeber entlassen und auch um das versprochene Geld gebracht wurde, revanchieren sich die Männer um Tre [ Ori Pfeffer ] auf ihre Art und Weise, indem sie dessen neue Mannschaft kurz vor der Abreise elimieren und so auch an die Information um den Verbleib der 'Kriegsbeute' herankommen. Eine der Banken, in denen das Hab und Gut verstreut wurde, ist dabei zufällig in Chesterford, Massachusetts befindlich, und genau diese Bank wird von den insgesamt vier Söldner auch gestürmt, die Anwesenden in Geiselhaft genommen und zur Ablenkung ein Sprengsatz im örtlichen Cafe platziert. Die beiden zufällig vorbeikommenden Polizisten Mike Chandler [ Nicolas Cage ] und sein schwiegersohn und bald werdender Papa Steve MacAvoy [ Dwayne Cameron ] reagieren als Erste auf die Bedrohung und werden auch prompt als Erstes unter massiven Beschuss genommen, was nicht nur wegen der Unterlegenheit an Waffen, sondern auch an Schutz und wegen dem gerade anwesenden mitfahrenden Minderjährigen Kenny [ Michael Rainey Jr. ], ein vermeintlicher Schulschläger auf Ride-Along als 'Strafmaßnahme' reichlich ungünstig ist. Währenddessen kümmert Sich die SWAT unter Captain Horst [ Atanas Srebrev ] um den Bombenanschlag, obwohl er von der den Söldnern nachreisenden Interpol Agent Rossi [ Alexandra Dinu  ] auf die eigentliche Bedrohung hingewiesen wird.

Mit zwei Detonationen fängt der Film auch an, mit zwei unter Beschuss genommenen Fahrzeugen, die sich getroffen in der Luft überschlagen und zerfetzt und brennend wieder auf dem harten Boden aufkehren; ein Einstieg nach Maß im Grunde, in der die Fähigkeiten der Antagonisten und ihre Gefährlichkeit ausgiebig vorgestellt werden und dann mehrere Tausend Kilometer weiter auch schon der einzige Mann, der sie stoppen kann in das Bild gerät. Cage als Polizist ist allerdings nur einer von vielen, die vorgestellt werden, und während die Eröffnungsszene im 'paschtunischen' Steinbruch selber funktioniert, kann man dies von dem Intro und der Aufstellung der personellen Konstellation nicht mehr so behaupten, wird dort schon schnell und recht nach Klischee von Anno Tuck vorgegangen (der positive Schwangerschaftstest, die Beschwerde einer anderen Ehefrau um zu wenig Quality Time und das Versprechen, dass man ausgerechnet diesen Abend dann extra pünktlich von der Arbeit zurück ist, was man natürlich nicht ist, der schweigend vor sich hin brütende, mit seiner Tochter und vice versa nicht mehr kommunizierende Cop in seiner Wohnung, die eher eine Gerümpelkammer ist usw., usf.), und dies mit abseits einer Einlage von Cage auch mit allerhöchstens mäßigen darstellerischen Leistungen und auch in Monolog und Dialog recht bräsig und gestelzt.

Ein antiquiertes Vorgehen von Skript und Regie, in dem wie bei einem Katastrophenszenario aus den späten (Fernseh)Siebzigern erst lang und breit alles emotional und dramaturgisch breitgewalzt wird, bis es dann an das Eingemachte geht; statt dem in Flammen stehenden Wolkenkratzer, dem brechenden Staudamm, der wackeligen Brücke oder dem angekündigten Erdbeben ist es hier 'bloss' ein Vier-Mann-Trupp von sich belogen und betrogen fühlenden Söldnern, die in einem (fiktiven) Landstrich in Massachusetts auf Geldfang und gleichzeitig der Ausbreitung von Terrorismus im eigenen Heimatlande gehen. Die Adaptierung der ursprünglich für ein Kriegsgebiet erlernten Techniken und Fähigkeiten in der neuenglischen Provinz und dies gegen einen Trupp 'Dorfsheriffs' sowie die Umformung der ehedem schon in Yves Simoneaus 44 Minutes: The North Hollywood Shoot-Out (2003) dargereichten Ereignisse in ein hier mit Interpol, Kriegsprofiteuren und Landsknechten angereichertes Hoppladihopp-Szenario ist im narrativen Sinne theoretisch so schlecht nicht; auch die Einbindung eines (unschuldigen) Afroamerikaners als unfreiwilliger Mitfahrer der weißen Polizisten hat seine positiven Seiten (nicht bloß durch die Aktualität von anschwellenden Rassismus) in der Dramaturgie. Nur leider ist das alles etwas mit der Brechzange, und zuweilen recht mit Idiotien und das ärgerlicherweise öfters und auch von allen Beteiligten angefüllt. (Die Kuhbläke hier hat zwar ein SWAT vor Ort, sind die anfangs aber überall und nirgends und sicher nicht da, wo die Luft brennt; die top ausgebildeten Bankräuber versuchen am Ende ihr Glück im Zickzacklauf über die mit Dauerfeuer belegte Straße, mit Gepäck, während die Gegend zwar komplett umstellt ist, man aber nur Knallfrösche und andere Luftschüsse seitens der Gesetzeshüter produziert usw. usf.) Für richtig befreiende Lacher ist der von u.a. Florentine, Lerner und Davidson produzierte knorke Bulgarien-Reißer dafür auch wieder viel zu gut gemeint und mit seinen 'Botschaften' gut gewollt. Und vom Gefühl halt sowieso nicht echt, sondern wie die deutlich sichtbare osteuropäische Kulisse weitgehend gestellt.

Immerhin, aber der Hälfte der Laufzeit sind die Verhältnisse klar und geklärt, wird nicht nur erneut eine vergleichsweise furiose Explosionen eines Straßencafes samt davorstehenden Fahrzeugen mit reichlich Material- und Personenschaden als Ablenkungsmanöver eingeleitet, sondern auch der Schlagbolzen durchgezogen und der Kugelhagel über die Straße in die Angreifer in Uniform und gerne auch mal in die Zivilisten verteilt. Geschossen wie auf der Marageten-Kirmes quasi, alkoholvernebelt quasi, aus der lockeren Hüfte, der zitternden Hand und mit zusammengekniffenen Augen, auch mit ähnlich viel Zielwasser und ähnlich viel Taktik, nämlich gar keiner, aber wenigstens sind die Bösewichter auch ordentlich böse und mit Blutdurst gefüllt. Optisch ist das Ganze relativ trocken dargeboten, zeitlos quasi, ohne inszenatorischen Schnickschnack, der das Bild verfremdet oder den Blick auf das andauernde Belagerungsszenario durch Hektik oder neumodisch-unsinnigen Firlefanz von Kamera und Schnitt vergällt.

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