Andrew Niccols Science-Fiction-Filme (GATTACA, IN TIME) haben meist ein großartiges Konzept, sind dann aber zu gelackt und zu akademisch, um wirklich zu fesseln.
Auch hier ist die Idee spannender als ihre Umsetzung: In einer Zukunft, in der Augmented Reality bereits im Auge implementiert ist, ermittelt ein Detective gegen eine mysteriöse Hackerin, die Wahrnehmung und Erinnerung manipulieren kann. Eine Art Lisbeth Salander in BLACK MIRROR World also.
Die Vision der alltäglichen Enhanced Reality ist hier absolut schlüssig und nur einen Wimpernschlag vom Heute entfernt. Schade nur, dass auch die Krimistory in etwa so aufregend wie ein interaktiver Modekatalog inszeniert ist. Unfreiwillig komisch wirkt es, wenn die gesamte Einsatztruppe auf ihren grauen Betonbesprechungsbänken sitzt und vor sich hinstiert, um sich die neuesten Videos im Ether anzuschauen. Dann muss wohl schnell mal wieder eine unmotiviert explizite Sexszene dazwischen geschnitten werden, um zumindest die männliche heterosexuelle Zuschauerschaft wach zu halten.
Vielleicht sollte Niccol seine Drehbücher lieber wieder fähigeren Regisseuren in die Hände geben, bei der TRUMAN SHOW hat es schließlich nicht geschadet.