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Nicht wenige Regisseure starten ihre Karriere mit einem Zombiefilm, weil die Genremuster hinlänglich bekannt sind und in der Regel nicht mehr als ein überschaubares Budget benötigt wird. Der französische Regiedebütant Dominique Rocher geht mit seinem Erstling direkt volles Risiko, denn er setzt auf nur einen Protagonisten in einem minimalistisch gehaltenen Endzeitszenario.

Paris: Sam (Anders Danielsen Lie) wollte eigentlich nur einige Musikkassetten aus der Wohnung seiner Ex holen, die jedoch mit einigen Gästen eine Party veranstaltet. Angenervt schließt er sich in einem Nebenraum ein und erwacht am nächsten Morgen durch lautes Gepolter: Die Menschen sind zu Untoten mutiert und Sam muss einen Weg finden, das Mehrfamilienhaus zu sichern…

Viel erfahren wir nicht von der Hauptfigur. Er ist Musiker, speziell ein fähiger Drummer, er offenbart Respekt vor Toten und führt leider kaum Selbstgespräche, wodurch das Treiben über weite Teile ohne Dialoge auskommt und zuweilen etwas fade anmutet.
Unweigerlich schürt die ungewöhnliche Situation Empathie und man fragt sich, welche Schritte man selbst in die Wege leiten würde. Diesbezüglich handelt Sam im ersten Drittel weitgehend glaubwürdig, indem er zunächst alle Räumlichkeiten absichert, auf dem Dach Regenwasser sammelt, sich Vorräte anlegt und diese auflistet und natürlich Möglichkeiten zum Zeitvertreib sucht.

Durchaus amüsant ist eine Art Musikzimmer mit Instrumenten, die bis auf ein Schlagzeug aus Alltagsgegenständen bestehen und auch die „Zwiegespräche“ mit Zombie Alfred, einem ehemaligen Arzt, der im Lift feststeckt, weisen humorige Parts auf, später stimmen sie ein wenig nachdenklich.
Isolation, Einsamkeit und die daraus resultierenden Folgen sind Aspekte, die in der zweiten Hälfte vermehrt zum Tragen kommen.

Leider macht sich die Bedrohung in Form der Untoten, deren Background zu keiner Zeit erläutert noch hinterfragt wird zu selten bemerkbar. Es gibt zwar vereinzelte Attacken und ein kurzes, unüberlegtes Verlassen des Gebäudes, doch in Sachen Action dreht die Erzählung erst in den letzten Minuten ein wenig auf. Die Untoten sind passabel gestaltet, mit zahlreichen Wunden, abgetrennten Gliedmaßen und weißen Klüsen handelt es sich um flinke, jedoch nahezu komplett stumme Biester, welche verharren bis sie Geräusche wahrnehmen. Die Außenkulissen, die fast ausschließlich aus der Vogelperspektive eingefangen werden, erzeugen zumindest soviel Endzeitstimmung, um als glaubhaft durchzugehen.

Folgerichtig sollten Genrefans keinen Actionfilm mit viel Gekröse erwarten. Vielmehr handelt es sich um ein Endzeitdrama, das von einem solide aufspielenden Mimen nahezu im Alleingang gestemmt wird. Die minimalistische Herangehensweise impliziert einen spärlich eingesetzten Score, der die Stimmungen des Protagonisten jedoch hervorragend untermauert.
Insgesamt wäre etwas mehr Bewegung und damit verbundene Spannung wünschenswert gewesen, doch innerhalb des totgesagten Zombiegenres liefert Rochers Debüt ein wenig Abwechslung.
6,5 von 10

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