Review

Ein Frau sieht hinter das Rot


„A Vigilante“ erzählt von einer wütenden und brutal entschlossenen Frau, die jahrelang von ihrem Mann misshandelt und geschlagen wurde. Als dieser dann nach einem endgültigen und tief traurigen Zwischenfall untertaucht und sie sich (zumindest körperlich) von ihm lösen konnte, schwört sie Rache. Nicht nur gegen ihn, sondern auch als Hilfe und Entkommen für ähnlich gepeinigte Frauen und Kinder. Dabei entspringt eine psychologisch schmerzhafte Charakterstudie über Gewalt, Wut, Traumas und Freiheit, die kaum weiter entfernt sein könnte von „Female Action Movies“ a la „Peppermint“ oder „The 355“…

Dass Olivia Wilde allein mit dieser preisverdächtigen Performance einen Film lohnenswert macht, auf den starken Schultern trägt und sich selbst in eine qualitativ ganz andere Liga als Schauspielerin schießt, muss man „A Vigilante“ sehr hoch anrechnen. Er ist auf sie zugeschnitten und sie liefert hemmungslos ab. Dazu kommen weitere dicke Pluspunkte wie die sehr ehrliche, realistische und bedrückende Stimmung und das nie totzukriegende Thema der häuslichen Gewalt. Letzteres wird auch keinesfalls nur einseitig und gegen Männer gerichtet. Dazu kommen die knackigen 90 Minuten Laufzeit und dass das Drama (mit leichten Thriller- und Actionelementen) genau weiß, wie lang es sein muss, dass ein solches Brett konzentriert besser trifft. Und insgesamt ist „A Vigilante“ damit eine höchst akute und menschliche Achterbahnfahrt der Gefühle. Selbst wenn er für meinen persönlichen Geschmack doch noch das ein oder andere Highlight und die ein oder andere „Racheaktion“ hätte vertragen können. Doch hier geht’s klassisch und auf lange Zeit gesehen gehaltvoller um die Figur(en), das Thema, nicht um Spektakel, Blut und Knock Outs. Ein Festivaldarling als sozial engagierter und muskelflexender Geheimtipp. 

Fazit: wichtiger, umwegloser und vor allem emotional sehr harter Racheflick und Selbstjustizler, bei dem allein Olivia Wilde jeden Eintritt wert ist! 

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