Review
von Leimbacher-Mario
Ersatzbanküberfall
Deutsche Gangsterfilme und -serien? Eine durchaus sehenswerte Nische, wie ich finde, wenn man sich von „Kiss Boom Bang“ über „Familiye“ bis „4 Blocks“ mal in diese Genrecken wagt. „Spielmacher“ schlägt in dieselbe Kerbe, irgendwo zwischen „Nur Gott kann mich richten“ und „Drive“, erzählt von einem gerade aus der Haft entlassenen Ex-Amateur-Kicker, der sich recht zügig wieder in dunkle Machenschaften der Wettmafia reinziehen lässt...
Frederick Lau nicht zu mögen, ist eine Mammutaufgabe, die zum Glück auch in diesem Fusi-Thriller kaum einem gelingen wird. Einfach einer unserer Besten zur Zeit, der versucht geschickt die Balance zwischen Mainstream und nischigeren Projekten zu halten, das meist sogar schafft. Denn auf jedes „perfekte Geheimnis“ folgt meist ein „Spielmacher“ oder „Gutland“, was ich begrüße. Zudem wird er hier stark unterstützt von einem immer grandiosen Oliver Masucci, einer treffenden, auf dem Boden gebliebenen Schilderung des Milieus und einem pushenden Score. Die Geschichte ist jetzt nicht neu oder herausragend, erfüllt eher ihren (vorhersehbaren) Zweck, doch insgesamt kann man die 100 Minuten gut weggucken und bereut keine davon. Erst recht, wenn man auf dieses Subgenre steht und seine Vorurteile gegenüber dem deutschen Film mal wieder unterlaufen will.
Fazit: Wettfilme sind Ehrenfilme? „Spielmacher“ ist ein starker, empfehlenswerter deutscher Krimi zwischen Beton und Rasen, zwischen Knast und Kohle, zwischen Sport und Spott, zwischen Pott und Hamburg, zwischen Kreisklasse und Kriminalität. Ungewöhnliches Thema, nie überzogen, top gespielt und stylisch obendrauf. Gangster und gut!