Mit „Cyborg“ präsentiert uns Albert einen seiner besten Filme – der durch die Besetzung der Hauptrolle mit dem populäre Belgier Jean-Claude Van Damme auch Beachtung fand.
Allerdings spielt Van Damme nicht die Titelrolle und kloppt bis ihm die Batterien aus der Mütze fliegen, nein, besagter Cyborg ist eine Frau namens Pearl Prophet (Dayle Haddon). Sie trägt in ihrem Kopf eine Formel mit der man eine gefährliche Seuche, welche die ganze Erde in ihrem Würgegriff hat, heilen kann. Achja, wie so oft bei Albert befinden wir uns in der Zukunft, alles liegt in Schutt und Asche und wir haben ein trashig-schönes Cyberpunk Szenario. Aus Kostengründen zeigt Albert nur später kurz einen Befallenen der Seuche, denn Make-Up Effekte wollen bezahlt werden.
Doch eine Horde von Banditen töten Pearl Begleiter und wollen sie mitsamt der Formel. Ihr Anführer Fender Tremolo (Vincent Klyn) guckt mit derartig weit geöffneten Augen wie ein Karnickel während einer proktologischen Untersuchung beim Tierarzt, weshalb er meistens eine Sonnenbrille trägt, denn: auch der Augen-Effekt will bezahlt werden. Albert macht aus der Not eine Tugend unterstreicht damit die besonderen Momente. Auch Gibson Rickenbacker (Jean-Claude Van Damme), ein sogenannter Slinger (eine Art Bodyguard), kann ihr nur kurzzeitig helfen.
Die Banditen müssen Pearl zum Erlangen der Formel nach Atlanta bringen, damit dort die Formel zu erlangen. Gibson folgt ihnen, denn er will sich an Fender rächen, weil dieser ganz unfein seine Familie ausradierte. Näheres dazu erfährt der Zuschauer in Rückblenden; gekennzeichnet werden diese dadurch, dass Van Damme eine Perücke mit einer Walle-Mähne trägt, die Brad Pitt in „Legenden der Leidenschaft“ Konkurrenz machen könnte (vielleicht war diese Perücke auch die einzige, die Albert aus dem Schrank seiner Mutter klauen konnte). Zwischendurch wird noch Nady Simmons (Deborah Richter) eingesackt, einzige Überlebende eines Massakers besagter Banditen, und schon geht’s zu zweit weiter.
Warum macht Albert nur so selten dermaßen schöne Trash-Action? Vor allem vom Filmischen her liegt dieser Streifen im oberen Bereich, denn Albert zeigt, dass er was von der Verwendung filmischer Stilmittel versteht... auch wenn er es ab und zu übertreibt (in den Kampfszenen gibt es Zeitlupe bis zum Erbrechen). Zudem sind Szenario und Schauplätze schön und stimmungsvoll gewählt; nur wenige Szenen sehen so aus, als seien sie im nächsten Wald um die Ecke gedreht worden.
Der Plot besteht an sich nur aus einer Jagd bei der Van Damme plus Begleitung und die Banditen wechselnd Jäger und Gejagter sind. Das Ganze ist recht spannend und vor allem kurzweilig gemacht worden. Zum Ende hin wird sogar mal nicht das typische „Der Held rettet die Erde und kriegt das Mädchen“-Ende zelebriert. Natürlich darf man keine besondere Finesse von der Geschichte erwarten: So bringt sich die weibliche Hauptrolle (nicht der Cyborg, sondern die Überlebende) immer wieder in Schwierigkeiten, aus denen sie nur Van Damme im wahrsten Sinne des Wortes herausboxen kann.
In sich haben es hier vor allem die Kampfszenen, welche typische Endzeit bzw. Cyberpunk sind. Geschossen wird nur wenig, aber immer wieder kommen archaische Waffen wie Messer, Schwerter usw. zum Einsatz. Jean-Claude Van Damme knüppelt, tritt und schlitzt in bester Weise, was eine wahre Freude ist. Den obligatorischen Spagat hat Albert zudem sehr eindrucksvoll abgefilmt (Kenner des Films wissen, welche Szene ich meine). Könnte natürlich mehr sein, aber für einen Albert-Film dürfte dies das echte Non-Plus-Ultra sein. Das deutsche FSK 18 Tape ist zudem noch recht ansehnlich und die Schnitte gut gesetzt, aber einige Cuts fallen dann doch durch daraus resultierende Anschlussfehler wieder auf.
Van Damme beweist auch hier, dass seine guten Leistungen in späteren Filmen wie „Sudden Death“ oder „Maximum Risk“ learning by doing waren, denn hier guckt er ständig mit dem gleichen Gesichtsausdruck aus der Wäsche. Die anderen Darsteller sind bestenfalls routiniert, lediglich Vincent Klyn ist als Fiesling beeindruckend. Ralph Moeller (im Vorspann köstlicherweise als Rolf Muller erwähnt) ist mir gar nicht aufgefallen und wird wohl nur irgendwo kurz als Prügelmasse aufgetaucht sein.
„Cyborg“ ist ein gelungenes Beispiel für trashige Action von Meister Pyun höchstpersönlich. Hirn aus und Spaß haben.