Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, dass trifft wohl auch zum größten Teil auf die Produktionsgeschichte von Cyborg zu, der letzten offiziellen Kinoveröffentlichung Cannons nach dem zwischenzeitlichen Konkurs 1987. Knapp 2 Millionen Dollar hatte das Studio bereits für die Kostüme und Setbestandteile zu einer geplanten 5 Millionen Dollar Low-Budget Fortsetzung von Masters of the Universe ausgegeben, als man die Verträge mit Rechteinhaber Mattel wegen finanzieller Schwierigkeiten kündigen musste, das Projekt war somit gestorben, ein wirtschaftliches Fiasko für das angeschlagene Unternehmen. Erzählungen zu Folge schrieb daraufhin der damals noch relativ unbekannte junge Regisseur Albert Pyun an einem einzigen Wochenende das komplette Drehbuch für den Endzeit Actioner Cyborg, die bereits beschafften Materialien vom Masters of the Universe Reinfall wurden weiter verwendet und die nur 500.000 Dollar teure Produktion konnte an den weltweiten Kinokassen ca. 10 Millionen Dollar einspielen, was Cannon dringend benötigte.
Konzeptionell ist es für den aufmerksamen Zuschauer durchaus erkennbar, dass bei Cyborg nur begrenzte Geldmittel vorhanden waren, so beschränkt sich die futuristische Story, wenn man es genau nimmt, nur auf das Notwendigste, um der spektakulären und zahlreich auftretenden Martial Arts Action ein Gerüst zu geben. Titelheld Gibson Rickenbacker (Jean Claude Van Damme) kämpft in ferner Zukunft, in von einem Atomkrieg zerstörten und von einer Seuche geplagten Stadt New York City gegen den skrupellosen Piratenanführer Fender (Vincent Klyn), der mit seiner Bande den Cyborg Pearl Prophet (Dayle Haddon) gekidnappt hat, um diesen nach Atlanta zu bringen. Der Cyborg trägt rettende Informationen in sich, mit denen das Menschheitselend geheilt werden könnte, doch Fender möchte dieses Wissen nicht für medizinische Zwecke gebrauchen , sondern für seine eigene kranke Weltherrschaft nutzen.
Als Sympathisant gepflegter B-Action Unterhaltung nehme ich der Geschichte Ihre Einfallslosigkeit und gewisse Unzulänglichkeiten in Realismus beziehungsweise Nachvollziehbarkeit nur bedingt übel, doch die Kreuzigungsszene war dann auch für mich des Guten oder eher des Schlechten zu viel, hier wird dem Publikum doch allen Ernstes weiß gemacht, dass ein gekreuzigter Mann mit seinen Beinen den massiven Holzstamm eines Kreuzes zu Bruch schlagen kann um dann ein paar Einstellungen später wie das blühende Leben hinfort zu schreiten. Wenn ich beim finalen Schnitt ein Wörtchen zum Mitreden gehabt hätte, wäre die vollumfängliche Sequenz sprichwörtlich terminiert und entsorgt worden, da dies aber leider nicht möglich war, kostet dieser Schwachsinn dem Streifen mindestens einen Punkt in meiner persönlich bilanzierenden Endbewertung.Filmtechnisch wirken die verwendeten Kulissen und Drehschauplätze streckenweise recht qualitätsfremd und von geringer Wertigkeit, obgleich dieses Faktum nicht unbedingt negativ zu bewerten ist, da die heruntergekommene, trashige Gesamtoptik sich äquivalent zu einer realistischen Visualisierung eines postapokalyptischen Katastrophen Szenarios verhält und mit dem beißenden, treibenden Soundtrack von Kevin Bassinson zusammen einen hervorragenden Hintergrund für die actionreichen Auseinandersetzungen der Endzeitkrieger darstellt. Klar ist, dass Pyun hier seine primäre Konzentration auf eine möglichst atemberaubende zur Schau Stellung von Van Dammes Kampfsportfähigkeiten gelegt hat, so bekommen wir in den aus meiner Sicht weitgehendst stilistisch gelungenen Zweikämpfen dutzende Wiederholungseinstellungen und Zeitlupen von einzelnen Van Damme Moves präsentiert, der als zusätzliches Gimmick ein Klappmesser an seinem linken Stiefel trägt, welches er im Angesicht von Mann zu Mann duellierend vorteilhaft einzusetzen vermag. Zum allgemeinen Härtegrad der Gewaltszenen sollte erwähnt werden, dass die MPAA das angestrebte R-Rating in Amerika nur gegen zahlreiche und im fertigen Film auch auffallende Kürzungen vergeben hat, so fehlt zum Beispiel im Opener ein Kehlenschnitt und beim Dorfmassaker zahlreiche Bluteffekte, die vorgenommenen, partiell stümperhaften Schnitte mit Tonsprüngen stellen aus meiner Sicht ein deutliches Ärgernis bei dem ansonsten über weite Strecken sehr harten und unterhaltsamen Action Vehikel dar.
Interessant zu wissen ist, dass Hauptprotagonist Jean Claude-Van Damme, der seinen Part im Film übrigens hervorragend ausfüllt, gar nicht mal erste Wahl von Albert Pyun war, dieser hatte nämlich Chuck Norris im Hinterkopf, als er die Story entwarf, Van Damme kam nur Dank Co Produzent Menahem Golan ins Spiel, der ihm nach dem Erfolg von Bloodsport insgesamt 3 Hauptrollen zur Auswahl stellte: Delta Force 2, American Ninja 3, oder Cyborg, wie sich Van Damme entschied, wissen wir alle. Neben "The Muscles from Brussels" hat mir auch Antagonist Fender alias Vincent Klyn hervorhebend zugesagt, er agiert als diabolisch gnadenloser Widersacher mit psychopatischen Wesenszügen grandios und stellt einen ebenbürtigen Gegner für unseren Titelhelden dar. Alle weiteren Schauspieler erfüllen Ihren Zweck ohne großartig zu glänzen, die Meisten von Ihnen durften aber eher dank ihrem barbarisch muskulösen Körperbau gecastet worden sein als wegen Ihrer darstellerischen Fähigkeiten.Aufkeimende Langweile ist bei Cyborg in der circa 80 minütigen Nettospielzeit ein Fremdwort, da der Film reichlich überzeugend in Szene gesetzte Action sowie 0,0 Handlungslängen bietet und auch mit einem gewissen Widerunterhaltungswert punkten kann. Wer bereit ist, seine im Kopf verwachsene Zentraleinheit auf Standbye zu schalten, wird trotz der leider existenten spürbaren Mängel mit einem größtenteils unterhaltsamen Endzeit B-Actionfilm belohnt, auch wenn es in diesem Bereich noch deutlich "komplettere" Werke gibt, an Genrehighlights wie zum Beispiel Mad Max 2 kommt Cyborg nicht ganz ran, was meine persönliche Endwertung angeht, schrammt er haarscharf an einer 8 von 10 vorbei.