Auf mittelalterlichen Jahrmärkten war der Geek einer, der lebenden Tieren den Kopf abbiss und deren Blut trank. Für diesen Horrorstreifen nahm man das kindheitliche Trauma der Titelfigur ziemlich wörtlich, denn seitdem Luther einem Geek bei seiner Jahrmarkttätigkeit zusah und sich erschrocken die eigenen Lippen blutig biss und Zähne verlor, hält er sich für ein Huhn.
Das latente Gegacker und Gegluckse ist entsprechend bizarr wie unheimlich.
Die Handlung strotzt nur so von unlogischen Gegebenheiten, was damit beginnt, dass ein Gremium den dreifachen Mörder Luther nach zwanzig Jahren Haft auf Bewährung freilässt, ohne ein psychologisches Gutachten einzuholen. Luthers Zähne sind, wie bei Bonds Beißer, mittlerweile aus Metall, das Töten mit Biss in den Hals geht somit leichter vonstatten.
Nachdem er eine Oma (eine junge Dame auf alt geschminkt, - sieht völlig blöde aus) auf der Parkbank ausbluten lässt, flieht er auf die Rückbank eines parkenden Autos und landet ausgerechnet auf der Hühnerfarm von Hillary Lawson, die von Luther überwältigt und ans Bett geknebelt wird. Bis Hillarys Tochter nebst Freund zu Besuch vorbeischauen…
Sprechen kann Luther nicht, der finstere Typ mit Halbglatze und starrem Blick bok-bok-boookt sich durch die Gegend, was auf Dauer schon ein wenig nervt, - zum Glück muss er sich in vielen Situationen still verhalten, um nicht entdeckt zu werden.
Der überwiegende Teil der Handlung verteilt sich auf die Schauplätze Haus und Scheune und trotz nicht allzu vieler Schauwerte wie ein halbnackter Frauenkörper unter der Dusche und drei, vier Gore-Szenen wie offene Halswunden und geöffneter Brustkorb, in dem das Herz soeben zu schlagen aufhört, ist die Atmosphäre stimmig, manchmal sogar packend.
Besonders im letzten Drittel in der Scheune, bei einem Duell zwischen Luther und Cop, spielt man gekonnt mit gleißendem Licht und dem eingeschränkten Sichtfeld im Schein einer Taschenlampe. Die musikalische Untermalung hält sich geschickt zurück und stellt die natürliche Geräuschkulisse in den Vordergrund, bei der es zwischenzeitlich schwer fällt, die Laute der Hühner von denen Luthers zu unterscheiden.
Anpirschen, Lauern und Verstecken führen in ihrer Mischung durchaus zu spannenden Momenten.
Jene werden jedoch von weiteren dummen Verhaltensweisen einiger Figuren überschattet.
Obwohl Luther bereits polizeilich gesucht wird, ruft ein einzelner Cop keine Verstärkung und stürmt ein völlig dunkles Zimmer mit dem Worten „Hände hoch!“.
Die Gelegenheit, dem ahnungslosen Cop einen zwinkernden, aber eindeutigen Hinweis zu geben, wird ebenso verpasst, wie Muttern vom Bett loszubinden, - stattdessen liefert man sich breitwillig dem Schurken aus und verpasst sämtliche Chancen für Gegenmaßnahmen.
Final wird es sogar richtig grotesk, als man sich auf die Ebene des Hühnermannes stellt und kommunikativ mitgackert, woraufhin sich Luther wie ein stolzer Gockel gebärdet (Didi Hallervorden hatte ähnliche Szenen zur Blütezeit von „Nonstop Nonsens“…).
Zwar ist der Streifen die meiste Zeit auf unterhaltsame Weise spannend, aber zuweilen doch reichlich skurril in Sachen Psychologie.
Zwischen Verfolgung eines Motorrads, Lahmlegen zweier potentieller Fluchtwagen und Intervenieren eines Jägers finden sich jedoch genügend Momente, die das bunte Treiben auf der Hühnerfarm kurzweilig aussehen lassen.
6 von 10