Review
von Der Zerquetscher
Was sind Facebook, Twitter und Social Media unterm Strich? Ist ein moderner Kontakt-Koloss wie das Imperium Mark Zuckerbergs Segen oder Fluch? Praktisches Kommunikationsmedium oder Spielwiese um Aufmerksamkeit bettelnder Menschen ohne funktionierendes analoges Sozialleben? Bei „Framed", einem weiteren Vertreter der seit Jahren anhaltenden Produktion überzeugender spanischer Horrorfilme, ist ein digitaler Kanal jedenfalls keine schöne Sache, sondern quasi das Tor zur Hölle. Ein Portal unsozialer Unterhaltung, das nur dazu da ist, wahlweise seine Sensationslust zu stillen oder den eigenen Geltungsdrang zu befriedigen. Eine oberflächliche Community, die dem Dabeisein und Erster-sein-Wollen Umgangsformen und Fairplay opfert. Eine letzten Endes doch nur virtuelle Gemeinschaft ohne Anstand und Mitgefühl.
Ein paar junge Leute wollen Party machen und hängen, mit ihren Handys in der Hand, in einem Wohnzimmer ab. Und schon steht das Motiv der kommenden 90 Minuten, denn es wird disputiert und schwadroniert, wie elementar es sei, in den sozialen Medien präsent zu sein und wie selbstzweckhaft entscheidend, irgendwie aufzufallen. Dass jeder der vor sich hin pubertierenden Teenies in den kommenden zwei Stunden, wenn auch auf unschöne Weise, weltberühmt werden wird, ahnt in dem Moment noch keiner. Denn ihr Wunsch nach Publicity soll diesen eigentlich völlig unauffälligen Jugendlichen erfüllt werden - von einem Killer-Trio, das als Entrée den Familienhund durchs Küchenfenster schmeißt, dann in das Haus eindringt und die nun folgenden Quälereien mit dem Smartphone filmt und live teilt. Da gibt es Likes, Klicks und Tote. In Echtzeit. Und das geht natürlich viral.
„Framed" gelingt sein Wilde‘sches Porträt einer koketten, affigen Generation von Internetnutzern ziemlich unkonventionell. Zum einen erlaubt er sich, mit visuell überraschend derben Mitteln, seinen Standpunkt unmissverständlich klarzumachen. Solch grobe Gewalteinlagen wie hier wären in den 1990er Jahren nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit der Schere zum Opfer gefallen. Zum anderen kommt die Intonation der Erzählung schwarzhumorig, geradezu zotig daher, was den Vorschlag von Regisseur Marc Martínez Jordán unterstreicht, das Dandytum der von ihm gezeichneten Jugend nicht zu bedienen, sondern es als legitimes Ziel von Persiflage und Karikatur zu betrachten. So geraten Medienkritik und Klickzahl-Wahn trotz morbide-spaßiger Unterhaltung und launigen Bizarrerien nie in den Hintergrund, sondern bleiben eine Filmlänge lang das eigentliche (schaurige) Thema.
„Framed" ist ein in seinem Ton recht unorthodoxer Home-Invasion-Beitrag, der weitaus brutaler und zugleich augenzwinkernder daherkommt als das Gros ähnlicher Produktionen aus den Vereinigten Staaten. Für die einen ist diese im Blut ersäufte Party Party pur, für die anderen ist das hier ein politisches Statement, das in seiner an manchen Stellen überzogenen Darstellung und schreienden Art wenigstens als Botschaft ankommt. Wie man es nimmt - egal, Wurst, Käse, einerlei, der Punkt geht an Spanien.