Review

Die visuellen Einflüsse von Nicolas Winding Refn sind beim Spielfilmdebüt des Belgiers Michaël Vermaercke unverkennbar, während die Handlung der surreal anmutenden und verschachtelten Erzählweise eines David Lynch ähnelt. Auch sind Parallelen zu Gaspar Noés „Climax“ auszumachen.

Schülerin Fleur (Charlotte De Wulf) ist seit 14 Monaten mit Jules liiert, dessen Geburtstagsparty sie aus der Distanz nur noch verschwommen wahrnimmt, denn Fleur liegt im Koma. Erst nach und nach entfalten sich traumatische Begebenheiten, doch welche ist die entscheidende?...

„Memento Mori“ könnte man grob übersetzen mit „Sei dir deiner Sterblichkeit bewusst“, was im kompletten Kontrast zu dem steht, was sich hier überwiegend im Vordergrund abspielt: Party, Sex und Drogen. Allerdings wird man mit der unnahbaren Fleur kaum warm. Die junge Dame spricht kaum, wirkt in sich gekehrt und lässt Freund Jules nie wirklich ran, der wiederum auf sexueller Ebene unter Starkstrom steht. Daneben geht es noch um einen dubiosen DJ und eine beste Freundin, die ihr Selbstbewusstsein mit Make-up aufzubessern versucht.

Sie alle kommen auf jener Feier nicht sonderlich sympathisch rüber, während sich das Treiben zunehmend verstörender gestaltet. Und zugleich alptraumhaft. Als ein Junge die Party ungesehen verlässt, weil er am Rande Damenunterwäsche findet und den Spuren tiefer in den Wald folgt, ist dies erst der Beginn diverser sonderlicher Vorkommnisse, bei denen Fleur mindestens am Rande mitwirkt.

Auffällige Symbole wie Rotlicht, eine Sanduhr und ein Sensemann stehen im Kontrast zu einigen Metaphern, die sich in viele Richtungen deuten lassen. Zwar nimmt die beklemmende Stimmung im Zuge der wummernden Beats und der unberechenbaren Individuen auf der Party zu, doch eindeutig ist hier gar nichts. Die Grenzen zwischen Realität, Traum und Illusion verschwimmen weitgehend und es ist viel Interpretationsfreiraum gegeben.

Trotz solider Performances und einer weitgehend gelungenen Optik mit einigen hübsch arrangierten Szenenübergängen, kommt innerhalb der kurzen Laufzeit von 72 Minuten nur selten Spannung auf und auch die FSK18 erscheint aufgrund zweier kleiner Gewalteinlagen maßlos übertrieben.
Eine Party mutiert zum Psycho-Trip und setzt Zeichen der Vergänglichkeit, - schwer greifbarer Stoff taugt eher für Filmfreunde, denen berauschende Bilder mehr zusagen als eine deutliche Quintessenz.
Knapp
4 von 10

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