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Bereits seit 1984 hört man jedes Jahr zu einer bestimmten Zeit die Zeile „Last Christmas I gave you my heart“, was hinsichtlich des vorliegenden Streifens beinahe wörtlich zu nehmen ist.
Fernab vom üblichen Weihnachtskitsch präsentiert uns Ryan Nelson eine bitterböse Satire auf Familienleben an den Feiertagen, garniert mit einigen blutigen Momenten.

Außenseiter Michael (Steven Hubbell) lädt zu einer Weihnachtsparty, doch nur die neue Kollegin Cindy (Casey O'Keefe) erscheint. Als Gegenleistung nimmt sie Michael mit zu ihrer Familie zum traditionellen Weihnachtsessen. Noch ahnt Michael nicht, dass er als Hauptspeise enden soll…

Nelsons Stoff, der auf seinem Kurzfilm aus dem Jahr 2010 basiert, ist stark angelehnt an typische romantische Weihnachtskomödien. Einsame Herzen finden sich zum Fest der Liebe und erstmalig wähnt Michael ein Weihnachtsfest, wie er es nie zuvor erlebte, womit er im Endeffekt ja Recht behalten soll. Neben dem glatzköpfigen, leicht übergewichtigen Michael landen noch weitere Personen im Keller des Hauses, bezeichnenderweise Menschen, die an den Festtagen niemand vermissen würde.

Im Gegenzug dazu die scheinbar heile Welt der Kannibalen, die mit ihren unkonventionellen Traditionen sehr abgeklärt umgehen, denn zwischendurch muss Zeit für die Kirche sein, bevor die Beine fürs Abendessen in den Ofen kommen. Während Michael mit einer Lichterkette unter Strom unfreiwillig bei Laune gehalten wird, kommt es zum Zwist unter den Brüdern, da jemand mit einer angehenden Polizistin liiert ist, welcher der andere misstraut. Tatsächlich kann man über einige Zeit nicht sicher sein, ob die Dame nur zum Schein mitspielt oder die merkwürdigen Sitten als willkommene Abwechslung gegenüber den gängigen Bräuchen sieht.

Aufgrund der durchaus interessanten Individuen, welche ihre typischen Familienrollen mit zahlreichen Klischees bekleiden und dabei oftmals ein wenig comichaft erscheinen, gerät das Treiben nie langweilig, während sich die Gepeinigten im Keller die Frage nach dem Sinn von Weihnachten stellen. Gegen Ende kommt schließlich ein wenig Action ins Spiel, denn ganz so hilflos sind die Opfer auch nicht. In Sachen Splatter wird allerdings nicht allzu derbe aufgetischt, viele Szenen finden im Off statt, so dass eine Beinamputation eher harmlos ausfällt und auch Messerstiche und das Zuschlagen mit einem Metallstock kaum dem entsprechen, was man hinter einer FSK18 erwarten würde.

Das wie ein Kammerspiel anmutende Stück bereitet bis zum Abspann nach bereits 75 Minuten durchweg Laune, es bietet Kurzweil und einige Situationskomik, die treffend besetzten Mimen haben sichtlich Spaß am Overacting, während die wenigen Effekte bis auf einen CGI-Einsatz gelungen sind. Gerne hätte es noch ein wenig garstiger und boshafter zugehen dürfen, doch wer einen Groll gegen die typischen Familienessen an Weihnachten hegt, dürfte hier durchaus fündig werden.
6,5 von 10

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