Johnny Knoxville, Mitbegründer des legendären Teams von „Jackass“, geht so langsam auf Ende 40 zu und da häufen sich zwangsläufig die Verletzungen bei Stunts. Ohnehin muss der Mann eine masochistisch veranlagte Physis haben, um für einen Film ausgeschlagene Zähne, Schnittverletzungen, kleine Frakturen und Gehirnerschütterungen in Kauf zu nehmen. Dazu ein gerissener Meniskus und zweimal ploppte gar sein Augapfel heraus, - doch was tut letztlich mehr weh: Die zahlreichen Krankenhausaufenthalte oder die Tatsache, dass der Streifen trotz vieler körperlicher Qualen an den US-Kinokassen floppte?
Sommer 1979: DC (Johnny Knoxville) hat mit einigen Kumpels einen Freizeitpark aufgebaut, dem mit der neuen Konkurrenz das finanzielle Aus droht. Also beschließt er, bei sämtlichen Attraktionen die Bremsen zu lösen, um für ungebremsten Spaß zu sorgen. Doch nicht nur das birgt Gefahren, auch die Probleme mit Töchterchen Boogie (Eleanor Worthington-Cox) nehmen zu…
Die Idee zum Film basiert auf einer makaberen Begebenheit, denn in einem ebenfalls 1979 eröffneten Themenpark kamen in den USA im Lauf der Zeit sechs Leute ums Leben.
Tödlich geht es hier zwar nicht zur Sache, doch einige Stunts tun schon beim Zuschauen weh, etwa beim Abfeuern eines Katapults, von dem aus jemand direkt durch eine Scheunenwand geballert wird oder als ein anderer meterhoch durch die Luft fliegt und unsanft auf dem Rücken landet. Dagegen wirken Tritte in den Unterleib oder Kontakte mit Holzlatten am Kopf beinahe schon wie Kindergeburtstag.
Alles andere sind handlungstechnische Lückenfüller, die in Sachen Tiefgang zu wünschen übrig lassen, obgleich die Rahmenhandlung, in der DC als Opa seiner Enkelin von seiner bewegenden Vergangenheit berichtet, ein paar goldige Momente zutage fördert.
Da gibt es als Antagonisten die einflussreichen Snobs nebst Anwälten und bösen Behörden, während die schrägen Vögel die durchweg Guten sind und auch die Probleme mit der Tochter lösen sich im Handumdrehen in Wohlgefallen auf. Alles überraschungsfrei und wenig originell.
Anderweitig wird dem geneigten Betrachter eine Menge nostalgische Anarchie geboten, was nicht zuletzt durch die gerade einmal zweckdienlich zusammengeschusterten Fahrgeschäfte untermauert wird. Auch der gut gewählte Soundtrack zelebriert die lockere Stimmung der End-Siebziger, hinzu kommen entsprechende Kleidung, ein paar coole Fahrzeuge und natürlich die Tatsache, dass Dosenbier in bestimmten Kreisen wie die Luft zum Atmen dazugehörte. Ein kleiner Wehrmutstropfen bildet der allgemeine, sorglose Umgang mit Tieren, obgleich Gegenteiliges im Abspann geschrieben steht. Auf einem Strauß zu reiten, ein Stachelschwein zu betatschen oder ein Eichhörnchen mit Nüssen in die Unterhose zu locken ist rein gar nicht witzig. Einzig poppende Hunde in einer ungewöhnlichen Position bieten eine kurze Aufheiterung.
Aber mit dem Humor ist das hier ohnehin so eine Sache, denn ausgeprägte Schadenfreude ist bei der Sichtung Grundvoraussetzung, da anderweitig nicht viele Gags geboten werden oder diese deutlich zu plump ausfallen. Hier und da erzeugt zaghafte Situationskomik ein leichtes Schmunzeln, die Dialoge bringen es indes auf gar keinen Lacher, zumal einigen Handlungsabfolgen etwas überaus Altbackenes anhaftet.
Folgerichtig sind vorrangig alteingesessene Fans von „Jackass“ angesprochen, die Spaß an verrückten Mutproben, irrwitzigen Schleuderfahrten, schrägen Sprüngen und unzähligen harten Körperkontakten haben. Das ist über die kurze Laufzeit von 85 Minuten durchaus kurzweilig, eine zweite Sichtung oder gar die große Leinwand benötigt es dafür jedoch nicht.
5,5 von 10