Schluss mit Schwarz-Weiß-Malerei
Auch Gangster haben Gefühle, es gibt nicht nur Tony Mantanas,
manche würden einfach alles tun für ihre Mamas.
Oder ihre behinderten Brüder, wie in dieser deutschen Strassenbalade,
dass „Familiye“ nicht mehr kennen, ist schon ziemlich schade.
Zwischen „Oh Boy“ und „4 Blocks“,
zeigt dieses Drama mal eine recht andere Seite von Gangstern und „Gesocks“.
Drei Brüder, einer gerade aus der Zelle, einer mongoluid,
den letzten kennt man wegen seiner Spielsucht bis Neuwied.
Zwischen Süchten und Ängsten, zwischen Liebe und Knast,
erzählt dieses allzu reale Märchen ganz gechillt und ohne Hast.
Nicht jede Nebenstory wirkt rund, das Ende etwas gehetzt,
und mit dem aufgesetzten Voice Over hat sich diese Strassenpoesie selbst etwas verletzt.
Dennoch kam ich ums Staunen und Mögen nicht herum,
da guckt manch ein Asphaltguerilla überzogen, hohl und dumm.
Das ist kein Blingbling, kein Rapvideo, fake und laut,
das ist ein Tiefschlag der dir viel nachhaltiger in die Magengrube haut.
Das ist wie wenn man Boombap vergleicht mit Trap,
seid nicht der Dumme, der bei diesem Geheimtipp wegzappt...
Fazit: lässiges und authentisches Teil. Für Fans von „4 Blocks“ bis „Victoria“. In Ordnung gespielt, außergewöhnlich gut gefilmt, mit (überraschend) viel Gefühl, Familie und Menschlichkeit. Recht ruhiges, zurückgelehntes deutsches „Gangster“kino mit Tiefgang. Da schiebt nicht nur Berlin Optik. Vorzeigbar. Nicht ohne Schwächen, aber richtig respektabel.