Das achte Jahr des Doktors brachte zwei ungeheuer wichtige Elemente. Zum Einen musste Liz Shaw ersetzt werden, die mitten in der Drehpause rausgeschrieben wurde. Der Ersatz ist gänzlich anders – war Liz eine Wissenschaftlerin, die auch ohne den Doktor viele Rätsel hätte lösen können, ist ihr Ersatz Jo ein wenig… trottelig. Am Anfang scheint es, dass der Doctor sie nur braucht, damit jemand ihn gebührend bewundert, doch daraus entwickelt sich schnell eine Vater-Tochter-Beziehung, die so neu in der Serie ist und mehr an moderne Doctor-Companion-Teams erinnert. Jos naive Art hilft dem Doktor, den Überblick zu behalten und sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Dazu kommt der umwerfende Charme der Figur, der man einfach nicht böse sein kann. Mit ihr ist dann auch die „UNIT-Familie“ komplett, der Doctor, der Brigadier, Jo, Yates und Benton. Hier ist der Doktor komplett geerdet und man versteht, warum die Erde immer mehr zu seiner Heimat wird.
Die zweite Neuerung begleitet die Serie sogar noch länger, bis mindestens zum Finale der zehnten Staffel der neuen Serie. Bereits im ersten Abenteuer taucht der Master auf – ein anderer Time Lord, einst der beste Freund des Doktors, heute sein erbitterter Rivale. Ryder Delgado spilet ihn als fast mephistophelische Figur, die den Doktor auf ihre Seite ziehen oder umbringen will, je nachdem, was gerade am besten passt.
Im ersten Abenteuer sichert er sich dafür die Hilfe der Autons, die aus der Staffel davor bekannt sind. Diese wurden danach erst mal in den Ruhestand geschickt, bis zu Rose, im Jahr 2005 - dem Beginn der neuen Serie. Das Abenteuer ist spannend, aber nichts besonderes.
The Mind of Evil kommt dann als James-Bond-Abenteuer daher, in dem der Doctor und der Rest von UNIT eine internationale Friedenskonferenz vor dem Master schützen müssen, Eine launige Folge mit Spannung, Action und einem Helikopter. Hier wird auch wieder deutlich, dass die Serie sehr stark aktuelle Themen aufgreift (hier: die Angst vor einem Weltkrieg).
In The Claws of Axos wird das noch deutlicher, denn hier geht es (wie auch in früheren und späteren Abenteuern) um das Energieproblem, das hier mit Hilfe von Aliens gelöst werden soll. Die sind aber nicht so freundlich wie erhofft und arbeiten, natürlich, mit dem Master zusammen. Das dritte gute, aber nicht überragende Abenteuer hintereinander.
The Colony in Space schickt den Doctor das erste Mal seit fast zwei Jahren wieder ins All – allerdings an der kurzen Leine durch die Time Lords. Der Master hat Pläne für eine Waffe gestohlen, die der Doctor ihm abjagen soll. Daraus entwickelt sich eine nette Indianer – Siedler-Analogie und ein spannendes Verwirrspielchen. Hier werden ernste Konflikte im Science-Fiction-Gewand behandelt, was eine gute Folge ergibt.
Im letzten Abenteuer der Staffel wird es dann richtig gruselig. The Daemons ist eine starke Folge mit Lovecraftanleihen, den stärksten bisher, und das Highlight der Staffel. Ein uraltes dämonisches Wesen wird beschworen, der Master wird zum Satanisten, ein ganzes Dorf ergeht sich im Wahn – spannend und gruselig, eine hervorragende Folge, auch wenn der Dämon sensationell schlecht getrickst ist.
Kein Ausfall, alle Folgen machen Spaß, die Charaktere sind einfach toll, die Chemie stimmt, der Master ist zwar überrepräsentiert, aber ein toller Gegner. Insgesamt für mich aber trotzdem die zweitschwächste Staffel der Pertwee-Ära, weil die Abenteuer nur okay sind, nicht besser.
Fünf von zehn sonic screwdrivern