Review
von Dr.Jackson
Schöner Wohnen mit Mia Wasikowska
Nicolas Pesce hatte 2016 mit THE EYES OF MY MOTHER eines der emotional aufwühlendsten und visuell überzeugendsten Horrordramen aller Zeiten vorgelegt. Ein Debütfilm in s/w, dessen Intensität noch lange nachhallte. Nun versuchte er sich mit PIERCING an einer Giallo-Retrospektive im Gewand einer S/M-Komödie ... mit deutlich geringerem Erfolg.
Der linkische Reed (Christopher Abbott) versucht den Drang, seine neugeborene Tochter zu ermorden, damit zu kompensieren, sich eine Prostituierte in ein elegantes Hotel zu bestellen, um seine Mordlust dann an besagter Dame auszulassen. Obwohl er den Ablauf minutiös plant, wirft ihm das Callgirl (Mia Wasikowska) den Abend über den Haufen, denn es stellt sich als mit allen Wassern gewaschener S/M-Maniac heraus. Letztlich landen die beiden in ihrem durchgestylten Loft, wo sie ihn betäubt, fesselt und als Spielzeug manipuliert. Das klingt ein wenig nach AUDITION. Kein Wunder, die Vorlage stammt von Ryu Murakami, der auch AUDITION geschrieben hatte.
Optisch ist Pesces Film gelungen, liefert eine Verbeugung vor den hochstilisierten, durchkomponierten Bilderreigen der Giallo-Großmeister der 70er, unterlegt mit der Musik aus eben diesen Filmen. Nur schade, dass Cattet/Forzani das schon vorexerziert hatten ... leider (für Pesce) um ein vieles dramaturgisch und visuell ausgefeilter. Denn das größte Manko von PIERCING ist, dass die Geschichte trotz der knackigen Laufzeit von 81 Minuten recht ereignislos verläuft. Was bleibt, ist eine stylische Fingerübung. Schade, da hatte ich mir mehr erhofft.
5/10