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Reed muss es loswerden. Dieses Gefühl, diesen Drang, das Bedürfnis – zu morden. Und so nutzt er eine Geschäftsreise fernab von Frau und Kind, um sich eine Prostituierte auf's Zimmer zu bestellen, um dieser das Leben zu nehmen. Sauber geplant und vorbereitet wähnt er sich, als er die Tür seines Hotelzimmers für Jackie öffnet...

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ryu Murakami, der auch schon die Vorlage zu „Audition“ (1999) von Takashi Miike lieferte. Und so ganz frei von Parallelen bewegt sich „Piercing“ nicht durch seine Räume, wenn er auch an das genannte Werk nicht heranreicht.
Wer hier welchen Spieß umdreht, dem gilt es beizuwohnen. Da kann ein Vorhaben nämlich noch so minutiös geplant und vorbereitet sein, am Ende bleibt immer die große Unbekannte „Mensch“.
Das Ganze entfaltet sich kammerspielartig, Regisseur Nicolas Pesce beweist ein Auge für Design und Räumlichkeiten. Gefällig ist auch das Sounddesign, das manch nicht vorhandene Bild während Reeds Vorbereitung entstehen lässt.

Christopher Abbott und Mia Wasikowska tragen diese im weitesten Sinne absurd-abseitige Romanze über die Zeit, nach etwas über 80 Minuten ist die Chose auch schon rum. Da reicht es eben nur für manch surrealen Einschub, kaum aber für eine Auseinandersetzung mit Motiven oder Persönlichkeit. Eine kurze Sequenz zu diesem Thema muss da reichen, so bleibt es dann eben auch nur beim Beobachten.
Und beim Schmunzeln, denn humorlos ist „Piercing“ nicht, wenn auch passenderweise makaber. Trotzdem weder Komödie, noch Horror, Pesces zweiter Spielfilm hängt irgendwo dazwischen.

Die Modellbauten als am Ende unendliche anonyme Wand, hinter der alles Vorstellbare zu lauern scheint. Hier eine quasi absurde Romanze im weiteren Sinne, blutig und neben der Spur. Minimalistisches Spiel zweier Pole, die sich abstoßen und anziehen. Nicht frei von Intensität, in seiner Undurchsichtigkeit irgendwie faszinierend und gleichsam emotionslos auf Distanz haltend. Doch überwiegend interessant.

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