Review
von Leimbacher-Mario
Komplex oder kompliziert?
Durch einen riesigen Unfall bei wissenschaftlichen Experimenten am Rande des Jenseits (?) kamen vor 10 Jahren tausende Menschen ums Leben. Ghost-Chernobyl sozusagen. Denn schon kurze Zeit später erschienen die Verstorbenen wieder - oder zumindest Fragmente von ihnen, da sie wie Geister oder eine Art Filmausschnitt in der Welt auftauchten. Für alle sichtbar aber nicht berührbar, Interaktion unmöglich. Und in dieser „geisterreichen“ Welt folgen wir einer attraktiven Schülerin, die ihren Vater bei diesem Ereignis verloren hat und sich nun zu einem dieser Erscheinungen hingezogen fühlt. Doch dieser junge, tote Mann scheint nicht wie die anderen Geisterausschnitte zu sein und während seiner Lebzeit mit einer Reihe von Morden an Mädchen zu tun gehabt zu haben, was die Teenagerin in große Gefahr bringt, ihre Neugier auf das Jenseits und die spektralen Erscheinungen nur noch weiter anheizt...
„I Still See You“ hat einen gewissen 90er-Vibe, irgendwo zwischen „The Faculty“, „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ oder „Frequency“, gepaart mit aktuelleren Teenager-Genrefilmen. Doch was eigentlich für einen recht geradlinigen Verlauf da recht ungeduldiges Publikum sprechen sollte, wird mit einer umständlichen und unnötig komplizierten Story konterkariert. Das fühlt sich seltsam an und macht wenig Sinn. Ist aber wirklich so. Bella Thorne ist gut zu jedem Auge, aber eher semi-talentiert als Schauspielerin; die Geistereffekte und gruseligen Aspekte der Story werden genauso weggeworfen wie die philosophischeren und emotionalen. Vor allem letztere arten dann gegen Ende eher Richtung kitschig und fragwürdig aus. Viel wirkt flach, lasch und auch noch übererklärt. Auch die Wendungen, sowohl tonal als auch geschichtlich, gehen kaum auf. Deswegen bleibt am Ende ein faszinierendes High Concept, das leider wenig seiner anfangs verstreuten Saat erntet, eine interessante Geschichte, die dennoch nicht lange bei einem bleibt und Figuren, die meist nur Klischees und Schablonen sind. Egal ob als Geistergeschichte oder als Thriller funktioniert „I Still See You“ nie wirklich. Alles ist kompetent inszeniert, sieht hochwertig aus und macht zuerst neugierig - nur um dann in absolutem Mittelmaß zusammenzubrechen.
Fazit: ungewöhnlicher Ansatz für eine im Endeffekt doch sehr generische Teenage-Ghost-(Love?)-Story. Leider sägen einige wirre Haken und fragwürdige Entscheidungen an dessen Intelligenz und Integrität. Außerdem hätte ein Schuss Spannung und Grusel gut getan. Leicht zu gucken - aber nicht wert, sich allzu viele Gedanken drüber zu machen. Tut nicht weh. Macht jedoch ärgerlich wenig aus seinen Talenten.