Anders als die Märchenverfilmungen aus den Fünfzigern, schießen Sci-Fi und Fantasy in Russland nicht gerade wie Pilze aus dem Boden. Ausnahmen bilden die Verfilmungen von Sergei Lukyanenko („Wächter der Nacht“), der auch für den vorliegenden Film die Vorlage lieferte.
Mal abgesehen vom endgültigen Liebes-Aus mit Anna geht es Spiele-Designer Kirill (Nikita Volkov) blendend, da er soeben für den Erfolg eines Games gefeiert wurde. Heim von einer Party wird er von einer Fremden (Severija Janusauskaite) empfangen, die behauptet, es sei ihre Wohnung. Kirills Existenz scheint von einer Sekunde auf die andere ausgelöscht, doch dann findet er sich in einem Turm wieder, der als Schaltzentrale für verschiedene Parallelwelten fungiert. Obgleich er sich nach seinem alten Leben zurücksehnt, spielt er die Chose eine Weile mit, bis er auf Anna trifft…
Die erste halbe Stunde der Erzählung kommt rasch auf den Punkt und offenbart sich als Thriller, der gekonnt mit der ausweglosen Situation des Protagonisten spielt, dem die Sympathien von vornherein sicher sind. Erst die Wohnung, dann der Job und die Kollegen, auch Freunde und Familie erkennen Kirill nicht wieder, als würde einem Schritt für Schritt der Boden unter den Füßen weggezogen. In der Schaltzentrale als Zöllner angekommen, ist es zunächst noch interessant, hinzu gewonnene Begabungen, Fähigkeiten und Befugnisse zu verfolgen, doch mit der Zeit schleicht sich eine gewisse Willkür ein, die im Verlauf zur kompletten Beliebigkeit verkommt.
Das zumeist verschneite Moskau erweist sich zwar als überaus taugliche Kulisse für die im unterschiedlichen Licht erscheinenden Parallelwelten und einige Fortbewegungsmittel und Gimmicks wie Transformationswasser sind hübsch gestaltet, doch spätestens bei einer unbeweglichen Schmiedin, die gegen Kirill im Matrix-Stil antritt, verkommt die Optik zum Trash. Gleiches gilt für Kampfdronen in Form schwebender Matrjoschkas, bei denen die CGI genauso durchschimmern wie bei einigen Hintergrundlandschaften.
Indes gestaltet sich die Erzählung zunehmend unübersichtlicher, einige Welten erschließen sich kaum, während andere zumindest ein wenig Gesellschaftskritik durchschimmern lassen, etwa beim Ausflug in ein Gefangenenlager. Ferner zündet die Liebesgeschichte kaum, da diese eher als Spielball für Machtkämpfe dient, bei denen gegen Ende immer mehr Nebenfiguren mitwirken. Folgerichtig dürfte die Auflösung mächtig anecken, denn nachvollziehbare Erklärungen werden nicht geliefert.
Schade um Hauptdarsteller Volkov, der sich redlich müht seinen Kirill ambivalent erscheinen zu lassen. Nach einer spannenden Ausgangslage liefern die Fantasy-Anteile viel Wischiwaschi ohne roten Faden, die wenigen Actioneinlagen sind allenfalls zweckmäßig inszeniert, das Visuelle überzeugt ebenfalls nur teilweise.
Nach überlang erscheinenden 115 Minuten ist aus dem Weltengänger ein Schlafwandler geworden…
4 von 10