kurz angerissen*
Wie man weiß, verliert sich russische Fantasy auf Zelluloid oft in schwer nachvollziehbare Dimensionen aus überladenen Spezialeffekten und merkwürdigen Story-Pfaden, die manchmal durch einen gewöhnungsbedürftigen Ausdruck im Regie- und Schauspielhandwerk noch befremdlicher wirken können. „Weltengänger“ macht da keine Ausnahme, lässt sich aber immerhin ein wenig Zeit damit, sein Publikum abzuhängen. Der erste Akt illustriert erfolgreich jene Art von Szenario, bei dem der Protagonist hilflos mit ansehen muss, wie sich seine vertraute Umgebung langsam auflöst. Assoziationen zu den Verschwörungsthrillern der 70er Jahre erlauben ein Eintauchen in die Geschichte, zumal Hauptdarsteller Nikita Volkov dazu in der Lage scheint, die Verwirrung seiner Figur über die zerbröckelnde Realität glaubhaft zu transportieren.
Kaum hat sich jedoch die Spezialeffekte-Box der Pandora geöffnet, scheitert auch diese Lukianenko-Verfilmung im Sinne einer Romanadaption. Moskau im Schnee und Palmenstrände mit kristallklarem Wasser mögen als Postkartenansichten Sehnsüchte nach der magischen Ferne wecken, die meisten generierten Welten in diesem Film bleiben jedoch Oberflächenlack für den Trailer-Einsatz, die mit Lukianenkos fein konstruierten Paralleluniversen nicht das Geringste zu tun haben. Überhaupt mischt Sergey Mokritskiy der Vorlage reichlich Farbe bei, Süßigkeiten für die Augen eben, damit das Fehlen von Kontext beim Auftauchen riesiger Matrjoschkas mit integrierten Maschinengewehren nicht noch während des Films auffällt.
Russland hat sicherlich wesentlich beklopptere Streifen zu bieten, aber wenn man Hollywood-Blockbuster für ihre Oberflächlichkeit kritisiert, so muss dieser Maßstab auch für Produktionen aus dem Osten gelten, wenn sie abgesehen von einem brauchbaren Hauptdarsteller, einer gelungenen Exposition und ein paar netten Bildern im SciFi-Fantasy-Kernteil nicht viel zu bieten haben.
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