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"Quäl nicht Donald Duck!" – Mit so einem Titel ist es schon ein Wunder, müsste Filmemacher Lucio Fulci schon froh sein, wenn der Zuschauer die Anfangscredits übersteht. Was danach kommt ist ein durchschnittlicher Krimi mit vielen Fehlern, Lücken und Ungenauigkeiten. Regisseur Fulci, der für seine rasante, billige Art und Weise bekannt ist, minderwertige Filme herunterzukurbeln, hatte vergleichsweise viel Zeit und Geld übrig, um "Don't Torture a Duckling" fertigzustellen und so sieht der Film auch akkurater und durchdachter aus, als frühere Fulciwerke.

Die kontroverse Story erzählt von einem hinterwäldlerischen Dorf in Sizilien, in dem drei brutale Kindermorde verübt worden sind. Die Polizei hat schnell verschiedene Verdächtige unter Beobachtung und nebenbei investigiert noch der Tagesblattreporter Andrea Martelli. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die junge, hübsche gut situierte Patrizia, die in dem Dörfchen nur lebt um Grad über ihre diversen Drogenskandale in den Großstädten wachsen zu lassen. Das Hauptproblem bei "Don't Torture a Duckling" ist, dass die einfachsten filmischen Gesetze außer Acht gelassen werden. Der Film entscheidet sich erst zwanzig Minuten vor Schluss, welchen der verschiedenen Figuren er zum sympathischen Protagonisten, zum Helden macht, seine Gespielin bleibt ebenfalls bis kurz vorm Ende eine undurchsichtige Randfigur. Und bei dem großen Theater um möglichst viele Verdächtige und eine hohe Anzahl an rein und lauter dreinschauenden Personen, die dann auch irgendwann in den Kreis der möglichen Mörder gezählt werden, ist das vollkommene Wegbleiben eines zentralen Sympathieträgers doch etwas ungünstig.

Ansonsten kommt "Don't Torture a Duckling" bisweilen auch etwas bieder und altbacken daher. Fulci dreht staubige, sehr harte Goreszenen, in denen die Gewalt mehr als nur anschaulich umgesetzt wird, versteht es aber nicht, die Mordszenen wie sein Konkurrent Dario Argento zu artifizieren. Der Storyverlauf ist recht hölzern, die Atmosphäre so unbedrohlich und ermüdend. Fulci porträtiert ein Dorf von alten, eingesessenen Italienern für die die Errungenschaften der modernen, industrialisierten Welt genug Anlass für Aufregung, aber auch gleichzeitige, naserümpfende Ablehnung darstellen. Das Taschenradio als Sensation für zwei dralle Huren, der Fernseher als längst vergangenes Relikt aus besseren Zeiten für einen anderen Dorfbewohner. Die Gemeinschaft, in der "Don't Torture a Duckling" spielt ist in sich geschlossen, allem Anderen und Neuen gegenüber misstrauisch. Traditionsbewusste Italiener und ein paar uninspirierte Morde sind jedoch nicht die besten Zutaten für einen Giallo.

Es ist schon ungewöhnlich genug, dass hier die wirklich harten Goreszenen erst am Ende von dem Krimi erscheinen. Noch ungewöhnlicher ist es jedoch, dass Fulci sich komplett auf Morde an Kindern beschränkt – ist es doch bei einem Giallo Gesetz, dass möglichst knapp bekleidete junge Frauen als sexy Opfer herhalten müssen. Doch Nacktheit und Sleaze gibt's hier nur einmal. In Form von Barbara Bouchet ("Colpo Rovente"), die sich gleich in ihrer ersten Szene splitternackt einem dreizehnjährigen Jungen präsentiert. Sie, die dekadente, reiche junge Frau, korrumpiert durch Amerika und Kapitalismus, stößt ebenso auf Unverständnis mit gleichzeitiger Faszination, wie schon die oben erwähnten Produkte moderner Technologien. Sie ist das Sinnbild für einen weniger dörflichen Lebenswandel. Sie fährt fetzige Autos, lebt ein Lotterleben, hat eine Drogenvergangenheit hinter sich. In ihrem "art deco"-Appartement lebt sie wie eine rollige Gespielin von James Bond und bietet den einzigen aufregenden Kontrast zu den sonst recht eintönigen Dorfbewohnercharakteren.

Die Auflösung des Krimis ist ein Angriff auf den Klerus ohne je wirklich doppelbödig und aussagekräftig zu sein. Obwohl die katholische Kirche einen Skandal um Fulcis "Don't Torture a Duckling" provozierte, der dazu führte, dass das Werk nur in wenigen europäischen Ländern zu sehen war, riecht man am Ende größtenteils heiße Luft. "Don't Torture a Duckling" ist streng genommen kein Giallo. Die typischen, leckeren, insbesondere visuellen Zutaten, die diese Genrerichtung einst ansprechend und spannend machten, werden hier konsequent ignoriert und ausgelassen. Was übrig bleibt ist ein filmisch viel zu durchlässiger Krimi in eigenartig zurückhaltender Atmosphäre. Dass weder der sonst sehr charismatische Tomas Milian und die schöne Barbara Bouchet nie an Profil gewinnen, liegt nicht an ihrem schauspielerischen Talent, sondern an dem schwachen Drehbuch, dass kaum Raum für diese Pseudo-Hauptfiguren lässt. Der Film ist nicht das Desaster, dass der Originaltitel vermuten lässt, aber bei weitem kein guter Thriller, trotz der für Lucio Fulci ungewöhnlichen technischen Reinheit.

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