Lucio Fulci's früher, recht hoch produzierter Giallo Non si sevizia un paperino muss innerhalb seines übrigen Schaffens fast als einer seiner gelungensten Werke gelten. Innerhalb der Geschichte um eine Mordserie an pubertierenden Jungen in einem verschlafenen Dorf in Sizilien, werden viele reizvolle Ideen und Storyfäden aufgenommen, aber nur um sie kurz darauf in absoluter Bedeutungslosigkeit versanden zu lassen. Das wirkt sich am eklatantesten aus, in der nachlässigen Haltung gegenüber seiner Figuren. Lange richtet der Film seinen Fokus auf die Einwohner des Dorfes, die zwischen Moderne und tradiertem Aberglaube von ohnmächtigen Rachedurst getrieben, auf der Suche nach Sündenböcken ist. Ebenfalls lange konzentriert man sich auf die langwierige Ermittlungsarbeit der hiesigen Polizei und die Perspektive einiger Kinder, die die angstvolle, gewalttätige und latent sexuell angespannte Stimmung des Dorfes spielerisch naiv ausdrücken. All diese Zugänge sind spannend und auch geschickt inszeniert, doch der Film kann sich nicht entscheiden, welcher dieser Subplots nun weitergesponnen werden soll und belässt es dabei, diese Motive kurz anzureißen und danach auf halber Strecke einfach verrecken zu lassen. Zu allem Überfluss, werden die bis dahin uninteressantesten Figuren, die bisher zwar immer wieder anwesend, aber kaum von Belang waren, für die grandios einfallslose, dafür bluttriefende Auflösung hergenommen. Tomas Milian als beschnauzter Journalist Martelli mit Sunnyboy-Charme und Barbara Bouchet als Millionärstöchterchen Patrizia, die, wenn sie nicht gerade pädophilen Machtspielchen mit dem Nachbarsjungen nachgeht, entweder nackt in ihrer mondänen Penthousewohnung posiert, oder in ihrem schnittigen Sportwagen durch das Dorf kurvt. Dass sich nun ausgerechnet um diese beiden bedepperten Figuren das Finale entspinnt, lässt vieles hier in der letzten halben Stunde in groben Klamauk ausarten.
Sicherich besitzt der Film tolle, memorable Momente, wie die ikonographisch bestialische Ermordung der verdächtig verrückten „Dorfhexe" Maciara (Florinda Bolkan) durch einen sadistischen Lynchmob, musikalisch begleitet durch die Klänge einer edelsüßen Italoschnulze (Ornella Vanoni - Quei giorni insieme a te). Auch das immer wieder präsente, widersprüchliche Motiv um Moderne, in Form einer die Landschaft zerschneidenden Autobahn, und einem archaisch traditionsreichem Mystizismus ist kunstvoll und anregend Bestandteil des Filmes. Einzelne Szenen und Momente sind für sich genommen zwar großartig und mit das Beste aus dem Genre des Giallo, aber als Ganzes funktioniert anhand ständiger, oft redundanter Storybrüche und Figurenwechsel wenig, will somit einfach nicht zusammenfinden und wirkt bisweilen gar unfertig.